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Die Verbrechen von Frankfurt. Galgentochter


Ines Thorn

Broschiert. Rowohlt Tb. 2008-04-01.
ISBN: 3499246031 / 3-499-24603-1
EAN: 9783499246036


Krimi im Mittelalter - aber ohne Spannung   (Bewertung 1 von 5)
» Sisalka

Hatte mir diesen Roman gekauft, gerade weil die Rezensionen so besonders gut waren. Leider erwies sich die Geschichte als Enttäuschung.

Als Krimi hat das Buch nichts Spannendes, da von Anfang an klar ist, wer da mordet. Auch der Weg der Weg der Erkenntnis bietet keine Überraschungen.
Die Figuren sind zunächst recht interessant dargestellt, die kleinen Scharmützel zwischen der Heldin und ihrem Mann, der sie nur recht halbherzig zu Herd und Küche wünscht sind nett beschrieben. Es wiederholt sich jedoch ständig der selbe Ablauf in wenig interessanten Varianten. Das Verhältnis der Heldin Hella zu ihrer Mutter ist ebenfall zu eindimensional ausgefallen, obwohl der Ansatz - Kind sieht Eltern nicht als Menschen mit Wünschen und Bedürfnissen - richtig gut ist.

Den einsamen Stern jedoch bekommt der Roman, weil die Autorin bis in jede Einzelheit die grausame und sadistische Gewalt der Zeit beschreibt, die persönlichen Leiden der Mörderin bis ins Kleinste ausmalt. Dagegen wirkt der Blümchensex, der beispielsweise in einer vage angedeuteten Umarmung am Abendbrottisch gipfelt, geradezu lächerlich. Es passt nicht zusammen Gewalt derartig hart und realistisch zu beschreiben und dann alle anderen Bereiche des Lebens wie in einem verklemmten Hollywoodschinken der 50er Jahre darzustellen.



Wirklich gut   (Bewertung 5 von 5)
» Reminka

Ich habe lange keine Rezensionen geschrieben...und war stattdessen intensiv auf der Suche nach guten Büchern. An "Galgentochter" bin ich aufgrund des Covers erst vorbeimarschiert (irgendwie sehen alle hist. Romane gleich aus...?), dann habe ich es aufgrund der hiesigen Kommentare gekauft und möchte nun mehr von Ines Thorn lesen. Sie schafft es auf unvergleichliche Weise, die beiden "Ebenen" Hella und ihre rührige (kochfreudige!) Mutter sowie die Qualen der Agnes (das "Mädchen")zusammenzuführen.

Man wünscht sich, dabei zu sein, wenn Hella mit ihrem Mann, dem Richter, und den übrigen sympathischen Nebenfiguren den Fall aufklärt. Gleichzeitig geht einem das Schicksal von Agnes sehr nahe, ein schlichter "Schön-war-das-Mittelalter-Roman" ist es also nicht. Ich fand den Satz, den hier jd. schrieb, sehr gut: Thorn versteht es, in dunkle Seelen abzublicken. Dabei kommen Lokalkolorit und geschichtliche interessante Details trotzdem nicht zu kurz. Die Kombination liest sich wirklich gut, ich hoffe auf mehr in diesem Stil! Einziges Manko: Hella ist wirklich sehr von ihrem Mann "emanzipiert", ich kann mir nicht vorstellen, daß eine verheiratete Frau dieser Zeit solche Freiheiten und geduldige Männer um sich hatte.


Teilweise zu viel Emanzipation, dennoch sehr gelungen.   (Bewertung 4 von 5)
» Nightfall

Das Ablaufen mehrerer Zeitebenen war anfangs sehr durchdacht und es war leicht zu hinterfragen, warum dies als Stilmittel eingesetzt wurde.
Es ging ja darum den Charakter von Agnes so darzustellen, dass sie nur ein Ergebnis ihrer eigenen Vorgeschichte ist. Schwer gedemütigt unter ihrer eigenen Mutter, dazu die (geduldete) Vergewaltigung durch den Gewandschneider, die nachfolgende Schwangerschaft, Aufnahme in einem Priesterhaus, der ihr das Kind tötet, weil er denkt, er habe ihr den Teufel ausgetrieben und schluss endlich Sebastian, der ihr eine Liebe vorspielt, nur um an den von ihm heiß begehrten Mohnsaft zu bekommen.

Ihre Suche nach Reinheit (Allein ihr Name ist dafür ja schon ein Synonym: "Die Keusche" oder "Die Reine"), ihre Suche nach einem selbstbestimmtem Leben, all das steht unter keinem guten Stern, und somit war es wichtig die Vorgeschichte mit einzubeziehen. Nur, zum Ende hin wurde es aufgedröselt und irgendwie fand ich es fast ein wenig verwirrend zwischen dem Jetzt wieder ins Jetzt zu springen und nicht in eine etwas längere Vergangenheit. Zumal mir das Ende zu schnell abgehandelt wurde... Natürlich macht ihr Selbstmord Sinn, aber gehört zu einem Leben in Reinheit nicht auch sich den Dingen zu stellen, die man als seine schlimmsten Sünden bezeichnet?

Im übrigen, die Verarbeitung von historischen Elementen war teilweise sehr gelungen, ich habe mir viele Dinge zu diesem historischen Roman angelesen in der Bibliothek, u.a. dass ein Jahr nach dem in Roman angepeilten Datum 1536 der Stadtrat von Frankfurt dem Schmalkaldischen Bund beitrat - mich würde der weitere Verlauf auch in den nachfolgenden Büchern interessieren; gerade, weil mir auch diese zeit-politischen Gegebenheiten gut erläutert erschienen.

Was ich wiederum sehr gelungen fand, war das Einsetzen von Rezepten in der Figur der Gustelies. Am liebsten würde ich die ganzen Rezepte abtippen und selbst einmal ausprobieren - außer das Kalbshirn... *hust*

Die Figur der Hella wurde am Ende sehr sympathisch, die kleineren Konflikte mit Gustelies haben dazu beigetragen; ich kann das Gefühl sehr gut nachvollziehen seine Mutter nicht mehr als Frau, sondern eben "nur" als Mutter zu sehen - ohne Sexualität, ohne eigene Wünsche. Meiner eigenen Mutter werfe ich so was nicht vor, aber ich verstehe den Konflikt sehr gut, der dahinter steht.

Auch, wenn mir die Emanzipation der Figur Hella manchmal zu weit geht (Sie erklärt ihrem Mann auf dem Galgenberg vor dem Leichenbeschauer und dem Meidcus, was sie zu dem Fall denkt), so bleibt sie doch sehr lebendig und sehr logisch in ihren Äußerungen.

Am Ende bleibt zu sagen: Ein sehr schöner, gut und flüssig zu lesender Roman. Einziger Wehrmutstropfen: Viel zu abrupt beendet und mit der plötzlichen Veränderung der Zeitebenen etwas verwirrend.


Gelungener Auftakt einer neuen Reihe   (Bewertung 4 von 5)
» Bouquineur

In ihrem neusten Roman wechselt Ines Thorn das Genre. Waren ihre bisherigen Bücher ausschließlich historische Romane, so ist dieses Buch der Auftakt einer Reihe historischer Krimis vor Frankfurter Kulisse.

Im Mittelpunkt des Romans, der aus zwei Handlungssträngen besteht, stehen Hella, die Frau des obersten Richters von Frankfurt und ihre Mutter Gustelies, Haushälterin bei ihrem Bruder, einem katholischen Pfarrer. Die beiden ermitteln sehr zum Leidwesen von Hellas Mann oft auf eigene Faust. Hella ist extrem neugierig und lässt sich auch von verschlossenen Türen nicht abhalten.

Der zweite Handlungsstrang beschäftigt sich mit einem Mädchen, das als Tochter einer Wanderhure aufwächst und schon früh im Leben brutale Gewalt am eigenen Leib erfährt.

Die beiden Handlungsstränge, bei denen man sich am Anfang fragt, wo sie sich wohl treffen werden, unterscheiden sich in der Art und Weise gewaltig. Während Ines Thorn mit leichter Hand, Humor und fast schon beschwingter Schreibweise von Hella und Gustelies erzählt, von Gustelies Vorliebe fürs Kochen und in die Geschichte das ein oder andere Rezept einfließen lässt, erzählt sie die Geschichte um das Mädchen mit so unglaublicher Gewalt und Brutalität, dass ich einige Szenen nur überflogen habe, weil sie für mich kaum erträglich waren. Ich hätte Ines Thorn so eine Schilderung gar nicht nicht zugetraut. Die beiden Handlungsstränge sind wie Licht und Schatten, Glück und Verzweiflung.

Ines Thorn schafft es aber auch mit diesem Buch, dass man sich mit ihren Protagonisten intensiv beschäftigt und auseinander setzt. Gerade mit der Hauptfigur des zweiten Handlungsstranges, die man am Ende entweder bemitleidet und versteht oder verabscheut.

Interessant und gelungen fand ich die zwei Erzählstränge, durch die das Buch zu keinem Zeitpunkt langweilig wurde. Es macht einfach Freude das "Ermittler-Duo" Hella und Gustelies bei ihren Spekulationen und Ermittlungen zu begleiten.

Wermutstropfen war für mich jedoch die starke Gewalt im zweiten Handlungsstrang, die teilweise nichts für schwache Nerven ist. Die geschilderten Gräuel gehen einem wirklich nahe. Mir war das teilweise schon zu viel Gewalt. Von daher gibts hier einen Stern Abzug.



Sowohl historischer Roman als auch Krimi   (Bewertung 5 von 5)
» Melisandra

Ines Thon schreibt wunderbar locker über mehrere Morde, die unter dem Galgen stattfanden. Die Frau des Richters und ihre Mutter recherchieren auf wunderbare Weise die Zusammenhänge, das es eine wahre Freude ist, dieses Buch zu lesen. Hier kommen sowohl die Leser historischer Romane als auch Krimileser auf ihre Kosten.
Mir hat dieser Roman wirklich gut gefallen.





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