Mit ihrer innovativen und kleidsamen Mode holte Coco Chanel die Frauen aus dem Korsett der Konvention. Sie kürzte ihr Haar und ihre Röcke. Die Matrosenhose ist Chanels Erfindung, das Tweedkostüm, Kleider aus fließenden Jerseystoffen und das "kleine Schwarze" auch. Ihr Duft "Chanel No. 5" aber, der die Geruchswelt ebenso wie das Frausein revolutionieren sollte und den Marilyn Monroe angeblich als einzigen Schlafanzug akzeptierte, ist nicht zuletzt das Produkt zweier Männer: Das Produkt von der "Nase aller Nasen" Ernest Beaux, einst Hofparfümeur der russischen Zaren, der für seine Kreation erstmals in der Geschichte des Parfüms synthetische unter die natürlichen Stoffe mischte, um das Produkt haltbarer zu machen. Und das Produkt von Jacques Helleu, "dem Auge" von Chanel, der das klassische Flakon immer wieder gekonnt in Szene setzen ließ -- selbst dort, wo es gar nicht zu sehen war: von Fotografen wie Irving Penn, Bettina Rheims, Richard Avedon oder Helmut Newton, von Regisseuren wie Luc Bresson, Roman Polanski oder Ridley Scott, von Schauspiel-Ikonen wie Nicole Kidman, Catharine Deneuve oder Vanessa Paradis.
Mit 18 Jahren kam Helleu zu Chanel, seit vier Jahrzehnten ist er als künstlerischer Direktor für das ganze Image der Marke verantwortlich. Anhand von 400 ausgewählten Illustrationen und rund 100 Stichworten von A wie "Allure" bis Z wie "Zeit" zeigt der zwar nicht gerade preisgünstige, dafür aber umso opulentere Band im Schmuckschuber, was das für das Modehaus bedeutet hat. Eröffnet wird Chanel von einem klugen Essay der Journalistin Laurence Benaim, und dann eröffnet sich der Laufsteg großartiger Einfälle und imposanter Kampagnen. Dazwischen gibt es allerlei Anekdoten, die ein Licht auf Chanels Philosophie ebenso wie auf Helleus männliches Wesen werfen. Für einen Werbespot von Helmut Newton 1981 etwa musste Helleu mit seinen Mitarbeitern 150 Beinpaare und diverse andere Körperteile casten. Es gab ein Model für die Brüste, eines für den Kopf und eines für die Beine. "Es sind die Beine meiner zweiten Frau", sagt Helleu in Chanel. "Als ich sie bei den Aufnahmen traf, habe ich sie kurzerhand geheiratet." -- Thomas Köster
In erster Linie muss das Parfum der Person ähneln, die es verwendet.( Coco Chanel) (Bewertung 5 von 5)
» H.K.
Coco, eigentlich Gabrielle Chanel( 1883-1971) ist die berühmteste Modeschöpferin Frankreichs. Nach dem Ersten Weltkrieg ist es ihr gelungen die" Mode der Kaiser" zu entthronen. Ihre Geschichte ist zugleich die der Zwanziger Jahre. Wie" La Garconne" von Victor Margueritte verkörpert sie die Befreiung der Frau. Schleier, Korsetts und Volants schafft sie ab und führt eng anliegende Jerseys und das einfache kleine" Schwarze" ein.
Nach dem 2. Weltkrieg erhält sie den Oskar der Haute Couture und entwirft ein Kostüm in sanften Farben, das bei allen Frauen Anklang findet. Dieses Kleidungsstück , genannt " kleines Chanel" lässt, neben der Parfümkreation" Chanel Nr. 5" die große Modeschöpferin wohl für immer in der Erinnerung fortbestehen.
Das vorliegende Buch befasst sich primär mit den Parfums und der Kosmetiklinie , aber auch diversen Accessoires ( z.B. Uhren) der Firma Chanel , die von herausragenden Fotografen , wie Helmut Newton, Richard Avedon, David Hamilton u.a. , sowie namhaften Regisseuren , wie Roman Polanski und Ridley Scott in Szene gesetzt worden sind.
Im Auftrag von Jacques Helleu wurde das Image des Hauses über entsprechende visuelle Produktwerbung für den Betrachter immer wieder neu herausgearbeitet. Die Botschaft blieb jedoch unverändert: Produkte von Chanel sind exklusiv und die Zeiten überdauernd. Kurzum , sie sind klassisch.
Jacques Helleu ist Art Direktor von Chanel Parfums/Beaute und zuständig für das gesamte Image der Marke Chanel. Alle Werbekampagnen finden unter seiner Leitung statt.
Sein Vater Jean Helleu war Designer für Parfümflaschen und Verpackungen. Er arbeitete in den 30er Jähren des letzten Jahrhunderts bereits für Mademoiselle Chanel.
Sein Sohn Jacques hat zu Anfang dieses Buches wunderschöne Aquarelle , die sein Großvaters und sein Vater gemalt haben , eingebracht.
In Bild und im Text wird deutlich , dass der Sinn für Ästhetik der Helleus für das Haus Chanel ein Glücksfall war. Sie nämlich haben stets ein besonderes Gefühl dafür entwickelt, wie man den edlen Produkten eine außerordentliche Aura des Schönen verleihen kann.
Interessant übrigens, mit welchen Stilmitteln für die Parfums fotografisch geworben wird.
Marilyn Monroe tupft sich Chanel Nr. 5 auf ihr Dekollete. Fotografisch ist das toll gemacht von Jaques Bergaud. Es ensteht der Eindruck als ob die Monroe ein Liebesverhältnis mit diesem Parfum habe. Sie ist völlig verzückt!
Auch Catherine Deneuve wird mit Chanel Nr. 5 immer wieder in Verbindung gebracht und suggeriert glaubhaft, dass klassische Schönheiten und dieses Parfum letztlich zusammengehören.
Patrick Demarchelier hat übrigens die kühle Deneuve mit dem warmen Duft Nr. 5 gemeinsam abgelichtet. Ein nicht uninteressantes Spannungsfeld!
Das Flacon ist zeitlos , schlicht, dabei sehr edel. Andy Warhol war so faziniert von dem Flacon, dass er es in allen Farbvarianten verewigt hat.
Wunderschön ist auch das Foto von Ines de la Fressage , die sehr distanziert das Parfum Coco umwirbt.
Die Aufnahmen David Hamiltons zeigen welche Damen in Beziehung zu Chanelprodukten gestanden haben oder noch stehen: Rita Haworth, Ingrid Bergmann, Jane Fonda, Sophia Loren. Grace Kelly, Jeanne Moreau, Ava Gardner. Die schönsten Frauen eben!
Dargestellt wird immer wieder , wie die namhaftesten Fotografen Lippenstifte, Puder, Make up, hin und wieder auch Produkte der Herrenserie, wohl in erster Linie aber den Rausch edler Damenddüfte stilvoll präsentiert und letztlich aufgrund ihres außerordentlichen Könnens einen nicht hinweg zu denkenden Beitrag zum Image des Hauses Chanel geliefert haben.
Wer Ästhetik schätzt, wird dieses Buch lieben. Es ist nicht nur eine Hommage an das Haus Chanel, sondern auch an die vielen Fotografen und ihr herausragendes Können!
Besonders begeistert bin ich von einer zauberhaften Aufnahme der schönen Gabrielle Chanel. Dazu liest man folgende Sätze:
Chanel: " Mode besteht aus einer amüsanten Idee , die sofort zündet, der Stil jedoch bleibt, wenn er sich verjüngt."
Jaques Helleu: " Stil kommt von allein, manchmal aus der Tiefe und unbewusst."
Beiden Sätzen stimme ich zu.
Ein Prachtband, sehr empfehlenswert!
Stilbildend (Bewertung 5 von 5)
» Niclas Grabowski
Natürlich hat das Buch wahnsinnig viele, außerordentlich schöne Bilder. Aber das haben andere Bücher mit ähnlichen Themen auch, man erinnere sich zum Beispiel an den auch sehr schönen und noch teureren Band über John Ford aus dem letzten Jahr. Alles, was sich am Mythos Chanel optisch darstellen lässt, findet sich natürlich auch im Buch. Ist man schon Fan der mit dem Modehaus verbundenen Ästhetik, wird man das Buch natürlich genießen.
Aber es gibt noch ein paar Dinge darüber hinaus. Erst einmal fällt auf, dass die prägende Farbe des Buches Weiss ist. Und das nicht nur auf dem Cover des Bandes, sondern auch im Buch auf den Seiten selbst. Bei einem Format wie diesem hat man viel Platz, aber das zwingt einen noch lange nicht, diesen wirklich zu nutzen. Tatsächlich wirkt das auf den Betrachter als ein eigenständiges Konzept von Eleganz, wie man sie in Bildbänden selten findet. Ich habe beim Blättern eigentlich nur eine Sache gefunden, die meinen Augen nicht gefallen hat, dass ist die ungewöhnlich groß und nicht so schöne Schrifttype im Vorwort, aber ich bin da pedantisch, und das zählt eigentlich nicht. Ansonsten: Perfektion.
Dann noch etwas besonderes: Es steht eigentlich nicht Mode im Vordergrund. Auch nicht die Produkte von Chanel, na jedenfalls nicht nur. Es geht in den Fotos und den (sehr) kurzen Texten dazu eigentlich um die Menschen, die sich im Umfeld der Marke bewegen. Wie hat die Idee von Chanel das Bild von Nicole Kidman geprägt? Wie das von Vanessa Paradis als Vögelchen im Käfig? Und welche Wirkung hat ein Helmut Newton auf die Bilderwelt von Chanel? Alles Symbiosen mit spannenden Ergebnissen. Nun gut, Claudia Schiffer kommt auch vor, aber das können wir hier dulden zwischen den Photos von Carole Bouquet, Sophia Loren, Kate Moss (ja, trotz allem) Catherine Deneuve und Estella Warren (ich bin ein Fan).
Und natürlich auch von ganz vielen anderen. Darunter auch ein faszinierendes Photo von Lagerfeld aus den 70ern, von Roger Vadim und Ali McGraw. Man ertappt sich dabei, sich alle zusammen auf einer Party vorzustellen, zusammen mit Zigarren, schönen Autos und einer Modelleisenbahn, worum es auch noch am Rande des Buches geht. Wie bringt man übrigens das alles in einem Buch unter? Man geht das Alphabet von A bis Z durch und schreibt zu jedem Buchstaben etwas, bzw. fügt die entsprechenden Bilder ein. Also eigentlich keine Gliederung. Was solls, das funktioniert auch so.
Braucht man so ein Buch? Nein, braucht man nicht. Man will es aber.
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