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Imperien


Herfried Münkler

Gebundene Ausgabe. Rowohlt, Berlin 2005-08-31.
ISBN: 3871345091 / 3-87134-509-1
EAN: 9783871345098


Wissenschaftliche Analyse vom Feinsten   (Bewertung 5 von 5)
» Buchstabenleser


Wenn man sich Bücher von Herfried Münkler kauft, kann man davon ausgehen, daß man wissenschaftlich fundierte Werke vom Feinsten in der Hand hält. Auch dieses Buch ist logisch aufgebaut, akribisch recherchiert und tiefgründig ausgeführt.
Alle wichtigen Begriffe werden sorgfältig definiert. Es wird mit Annahmen und Abgrenzung gearbeitet, was zum besseren Verständnis des Gesamtzusammenhangs beiträgt. Auch dieses Buch ist als Referenzwerk zum Thema zu verstehen und sollte somit in keiner Studienarbeit im Literaturverzeichnis fehlen.



Pax Americana   (Bewertung 4 von 5)
» artbap

Alle Imperien der Geschichte erlebten drei Phasen: Aufstieg, Höhepunkt und Untergang. Was für das Osmanische Reich, das britische Empire und die Sowjetunion galt, trifft also auch auf die Hegemonialmacht USA zu. Das jedenfalls verspricht der Untertitel des Buches: "Die Logik der Weltherrschaft - vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten".
Es macht Spaß, Autor Münkler bei seinem Streifzug durch die Geschichte zu begleiten. Leider baut er vor dem Leser jedoch die ein oder andere Hürde in Form von Fremdwörtern auf: Hand aufs Herz, wissen Sie auf Anhieb, was "Hegemonialmacht" bedeutet? Der "Hegemon" ist laut FremdwörterDuden ein Wort aus dem Griechischen und bezeichnet einen "Fürst, der über andere Fürsten herrscht".
Lesen soll ja bilden, trotzdem wäre ein Glossar bei diesem Buch sinnvoll gewesen. Wenn der Leser allerdings bereit ist, solche Wissenslücken quasi nebenbei zu klären, die leider bei Autoren aus der Wissenschaft häufig vorkommen, dann öffnen sich Ein- und Seitenblicke in beziehungsweise auf bestehende und untergegangene Weltreiche.
Münkler ist Professor für Politikwissenschaft in Berlin. Sein Buch unterscheidet sich wohltuend von anderen Publikationen. Denn der modischen Versuchung zur US-Schelte entgeht er. Vielmehr beschreibt er den gegenwärtigen Zustand wertneutral, sachlich, präzise.
Das Buch beinhaltet zehn Karten, vom Athener Seeimperium bis zur Weltkarte mit US-Stützpunkten und den jeweiligen Truppenstärken. Selbstverständlich bietet es Quellenverweise und Erläuterungen.
Münkler zufolge prägt der große Machtunterschied zwischen dem Herrscher und den Beherrschten ein Imperium, während eine Hegemonie nicht ohne Zustimmung der Verbündeten dominieren kann. Für ihn ist Amerika beides, Hegimonialmacht und Imperium in
einem. In seinem Buch geht Münkler auf die Suche nach Strukturen und Gesetzmäßigkeiten. Gibt es eine Linie, die allen imperialen Bestrebungen innewohnt?
Dem Leser erschließt sich so, aus seinem historischen Interesse heraus, eine Deutung für die weltpolitischen Probleme der Gegenwart. Ein Blick ins Verzeichnis der sechs Hauptkapitel zeigt, dass hier keine Langeweile aufkommt. Kapitel eins fragt: "Was ist ein Imperium?", das letzte Kapitel lautet: "Die überraschende Wiederkehr des Imperiums im postimperialen Zeitalter".
Was der Titel wirklich nicht vermuten lässt: Gerade dieser letzte Buchteil hat es in sich. Neben einer präzisen Diagnose der heutigen US-Politik leitet Münkler Erkenntnisse für die Europäische Union ab. Wie viel Imperium muss Europa sein, um im 21. Jahrhundert zu bestehen? Reichen unsere Fähigkeiten und Konzepte für die Herausforderungen der Zukunft?


Analyse der Weltherrschaft   (Bewertung 5 von 5)
» Carl-heinrich Bock

Sicherlich erfreut sich der Begriff Imperium im Augenblick einer ziemlich großen Beliebtheit. Da er aber meistens polemisch eingesetzt wird, wenn es darum geht der USA „Weltmachtgehabe“ vorzuwerfen, hat es der Politwissenschaftler Herfried Münkler sich zur Aufgabe gemacht, den Begriff „Imperium“ gegen einen unreifen, unsachlichen, bissigen Alttagsgebrauch einmal zu rekonstruieren.

Die zentralen Kategorien des Begriffs Imperium sind das Zentrum und die Peripherie. Ein Imperium und ein Staat unterscheiden sich in zentralen Punkten. Staaten gibt es im Plural, ein Imperium versteht sich in der Welt als etwas Besonderes, es kennt keine „Gleichen“.

Der Autor untersucht in seinem Buch nicht nur die heutige Situation bei der Begriffsanalyse sondern er setzt sich auch mit den Imperien auseinander, die wir historisch kennen, dem Osmanischen Reich und dem Imperium Romanum. Zur Imperiumsbildung gehörten verschiedene Machtkonstellationen. Im Osmanischen Reich spielte die militärische Überlegenheit eine große Rolle. In der römischen Geschichte gab es einen interessanten Vorgang, den der Autor das Überschreiten der „Augustineschen Schwelle“ nennt, das heißt, die Beherrschung des Raumes wurde zunehmend umgestellt, von vorher militärischer Beherrschung, auf jetzt kulturelle Attraktivität. Die Leute aus der Peripherie kamen nach Rom, sie waren auf das Zentrum fixiert, das Verhalten wurde kooperativ, zugleich sanken die „Beherrschungskosten“. So wurden Frieden und Wohlstand, also eine Periode allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs organisiert. Und dann, als das Römische Reich im Westen zu Ende ging, begann eine Zeit der „Inneren Auseinandersetzung“.

Heute erleben wir im Irak, dass es den USA nicht gelingt, die“ Augustinesche Schwelle“ zu überschreiten. Vielleicht ist man heute aber auch optimistischer?

Heutige Imperien werden im Großen und Ganzen durch die Vergabe von Sicherheitsgarantien begründet, eigentlich nicht mehr durch Okkupation. Was das im Einzelnen bedeutet, hat man in Westeuropa in Zeiten des West-Ost Gegensatzes bis ins Jahr 1989 gesehen. Und wenn die USA ihre Sicherheitsgarantien heute für einige Staaten des asiatischen Raumes zurücknehmen würden, dann entstünden dadurch weltweit erhebliche Probleme.

Unglaublich präzise, grandios geschrieben, klug recherchiert, ein die Aufmerksamkeit der Leserschaft sehr stark herausforderndes Buch. Es rechtfertigt die Anstrengung, sehr genau mit ihm zu sein. Es gibt viele interessante Reflexionsebenen.


Totgesagte leben einfach länger...   (Bewertung 5 von 5)
» Winfried Brammer

War nach der Selbstauflösung der Sowjetunion schon voreilig vom "Ende der Geschichte" und "vom Ende des imperialen Zeitalters" die Rede, so wirft dieses Buch die Frage auf, ob es auch heute Imperien geben darf, kann oder muss. Dieser Frage widmet sich Herfried Münkler in einem sehr lesenswerten und interessanten politischen Sachbuch.

Dabei wird der Begriff aus verschiedenen Richtungen beleuchtet, werden die bekannten Autoren zu diesem Thema vorgestellt und der Begriff Imperium definiert. Immer auch - und das macht dieses Buch sehr lesenswert - aus der heutigen Perspektive, die das Imperium schon tot glaubte.

Münkler stellt die verschiedenen Imperien der Weltgeschichte dar, so z.B. das Rom, China, sowie die "Steppenimperien" und klärt die Frage warum und unter welchen Bedingungen Imperien als stabile Gebilde anzusehen sind, und ob es Ihnen darüber hinaus gelingt Stabilität aus dem Zentrum des Imperiums in die Randgebiete (sog. Peripherie) zu tragen.

Überhaupt nimmt die Frage, wie diese Randgebiete Einfluss auf das Machtzentrum eines Imperiums nehmen und welche Auswirkungen die Vernachlässigung der Peripherie auf das Zentrum hat, einen großen Raum ein. Hierbei wird der sog. Barbarendiskurs vorgestellt und erläutert.

Nicht zuletzt widmet sich Münkler natürlich der Frage, welcher Einschätzung die USA heute unterliegen. Handelt es sich um ein Imperium? Eine Hegemonialmacht oder gar beides? Kenntnisreich schildert Münkler hier alle Aspekte und Möglichkeiten, die der "letzten Supermacht" zur Verfügung stehen und wie Europa in das durchaus komplexe Bild aus Wirtschafts- und Militärmacht hineinpasst.

Ein Buch, welches jedem Leser, der Interesse an dieser Thematik hat, empfohlen werden kann. Nach Lektüre dieses Buches kann sich jeder ein Bild über den wieder zu "Ehren" gekommenen Begriff "Imperium" machen. Uneingeschränkt auch deshalb empfehlenswert ist, weil Herfried Münkler ein Meister des Erzählens ist.


Guter Ansatz, schlechte Umsetzung. Überarbeitung notwendig.   (Bewertung 2 von 5)
» rbr5679

Münkler versucht in seinem Buch, die Herrschaftsstrukturen von Imperien im historischen Kontext zu erarbeiten. Der Ansatz, dies nicht nur staubtrocken und theoretisch zu tun, sondern seine Argumentation auch durch Beispiele zu belegen, machen das Buch interessant und auch für den interessierten Laien ohne Studium der Politikwissenschaften lesenswert.
Allerdings offenbart Münklers Werk einige fundamentale Schwächen, die es letztendlich zu einem enttäuschenden Buch machen:
1) Der Autor hat sich zu sehr auf die gegenwärtige (Außen-) Politik der Bush-Administration in den USA eingeschossen. Eine Betrachtung der Politik anderer Präsidenten findet oft nur in Nebensätzen und Randbemerkungen statt. Teilweise wird die Fixierung auf die Bush-Administration derart überspitzt, dass Münkler die Grenze zur Unsachlichkeit überschreitet. Der Untertitel "... vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten" ist ebenfalls irreführend. Es geht für den Autr ausschließlich um die USA, er nutzt die hsitorischen Beispiele nur als schmückendes Beiwerk.
2) Bei dem Versuch, seine Imperiums-Theorie anhand von Beispielen zu belegen, offenbart Münkler das Phänomen der selektiven Wahrnehmung. Anstatt existierende Imperien zu analysieren und dort Gesetzmäßigkeiten herauszuarbeiten um anschließend eine ganzheitliche Imperialismus-Theorie zu entwickeln, betreibt der Autor Rosinenpickerei in der Geschichte, um seine Hypothesen zu bestätigen. So werden selbst von Imperien, die Münkler eigentlich nicht als solche anerkennt, Beispiele angebracht, wenn dies zur Untermauerung seiner Thesen hilfreich erscheint. Objektivität, Koheränz und eine klare Argumentationslinie bleiben auf der Strecke.
3) Das ganze Buch, sofern es nicht von den USA handelt, ist sehr im westeuropäischem Gedankenraum verhaftet (zudem man die USA aufgrund Ihrer Geschichte ja auch zählen muss). Auch in anderen Gegenden der Welt stattgefundenen Entwicklungen zu berücksichtigen wäre wünschenswert gewesen. Dies geschieht leider nur unzureichend.

Fazit: Der für das Buch gut gewählte Ansatz wird von methodischen und fachlichen Unzulänglichkeiten leider zu nichte gemacht. Dies ist ärgerlich und bedauernwert, da der Autor durchaus ein richtiges Ziel verfolgt. Die Fixierung auf die USA und das gelegentliche, zur Zeit offensichtlich populäre, "USA-Bashing" sind ebenfalls sehr störend. Dass gegenwärtige Ereignisse naturgemäß intensiver betrachtet werden, als Jahrhunderte zurückliegende ist verständlich. Für ein Buch mit dem Anspruch, eine ganzheitliche Imperialismus-Theorie zu entwickeln, ist derartiges in dieser Weise aber nicht opportun.





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