Wie macht man Karriere? Man wartete auf den Zufall, wird protegiert, schafft es bis an die Spitze und muß darauf aufpassen, daß man nicht wieder runter fällt. Jockeys warten ihr Leben lang auf das richtige Pferd, das passende Rennen und wie in jeder Branche, bei der es viel Geld zu verdienen gibt, wird das ein oder andere manipuliert, damit die Quote stimmt. Dick Francis ist zu bewundern. Mit welch stoischer Gelassenheit er seine Romane stets rund um eine Pferdebox ansiedelt, ist bemerkenswert. Er benötigt nicht mal den klassischen Detektiven, Inspektor, Privatschnüffler. Er läßt hier einen Jockey erzählen, sich in Lebensgefahr bringen und einen Skandal aufdecken. Das Zusammenspiel zwischen Presse und Akteuren wird offen gelegt. Wie mache ich das Gesicht hinter einem Namen bekannt, wie ihn berühmt, wie ihn gefügig.
Wie groß die Verlockungen sind, wie schwer das eigene Ego zu besiegen, zeigt sich in der Person Robert Finns, der von einem in den Selbstmord getrieben Jockey den Sattel übernimmt. Er ist sich keiner Schuld bewußt und folgt im Verlauf der Geschichte, doch einer Art schlechten Gewissens, das ihn dazu anhält, die Dinge nicht auf sich beruhen zu lassen. Scharf in der Analyse eines Milieus, das fast so verrufen wie die Boxbranche ist, hofft Francis darauf, daß es auch dort Jockeys wie Finn gibt, die sich gegen den Rufmord zur Wehr setzen, egal welches Spiel auch getrieben wird. Obwohl kein Krimi im klassischen Sinn, ein spannender Roman über den Preis, den man fürs Siegen womöglich zu zahlen hat.
Lesevergnügen (Bewertung 3 von 5)
» helmut seeger
Diese Geschichte des Jungen, der aus einer Reiterfamilie stammt, aber Angst vor dem Fall vom Pferd hat, deswegen verachtet wird und einen derartigen Hass auf alle Jockeys entwickelt, dass er sie existenziell vernichten
will, mag ein bisschen vulgärpsychologisch und nicht bis ins letzte überzeugend sein, weist auch ein paar logische Mängel auf.
Aber das ist letztlich gleichgültig. Francis hat einen derart einnehmenden, quasi sympathischen Plot hinbekommen, dass man es fast bedauert, wenn man zu Ende ist, obwohl die Lösung des Falles
schon zur Hälfte klar wird.
Der Autor kennt als ehemaliger Jockey das Milieu bis ins letzte - und das merkt man seinem Roman an.
Atmosphäre und Psychologie der Personen gehören zu den stärksten innerhalb der SZ-Serie, sogar eine berührende Liebesgeschichte bringt Francis unter.
Von Beginn an hat das Buch eine Art positive Aura oder wie immer man es nennen will, die bis zum Ende des Romans trägt und das garantiert, was man gemeinhin Lesevergnügen nennt.
Das kann man längst nicht von allen Beiträgen dieser Reihe sagen.
überraschend gut (Bewertung 5 von 5)
» G. Engl
'Ein Buch im Jockey Umfeld, das kann nichts sein.' , dachte ich zuerst. Weit gefehlt. Selbst für erklärte Nicht-Pferde-Fans ist dieses Buch äußerst empfehlenswert, schlicht aufgrund der sehr spannenden Aufarbeitung der Geschichte sowie einer großartigen Erzählweise.
Der Erzähler, ein Jockey, schildert sehr packend (und bescheiden) den Hergang der Ereignisse rund um die Pferderennszene in England. Die Leser folgen ihm dabei über Höhen und Tiefen bis zu einem grandiosen Finale.
Beeindruckend (Bewertung 5 von 5)
» F. Seelig
In diesem Buch wird die englische Jockeyszene überaus anschaulich von einem Rufmord-Skandal heimgesucht, dem auch der Protagonist zum Opfer fällt und neben menschlichen Abgründen seiner Kontrahenten neue Freundschaften und natürlich auch die Liebe zu einer Frau entdeckt.
Der Krimi nimmt in der Mitte eine überraschende Wendung und hält den Leser vor allem durch eine nahtlose Handlung und ausgezeichnete Figurenzeichnungen in Spannung und lässt Sympathie und Mitgefühl zum Protagonisten aufkommen.
Ein sehr empfehlenswerter Krimi der SZ-Reihe, meiner Meinung nach deutlich über dem gewohnten Niveau.
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Rufmord. SZ Krimibibliothek Band 16
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