Mit einem Paukenschlag betritt die britische Autorin Susan Fletcher mit ihrem ersten Roman die deutsche Literaturszene. Das großartige Debüt Eve Greenerzählt von Verlust, Selbstfindung und dem plötzlichen Einbruch des Bösen in eine scheinbar idyllische Welt.
Im Alter von sieben Jahren verliert Evangeline ihre Mutter. Ihren Vater hat sie nie gesehen -- er verließ die Mutter noch während der Schwangerschaft. Das junge Mädchen wird zu ihren Großeltern aufs walisische Land gebracht, die dort das Gehöft Pencarreg bewirtschaften. Eve wächst inmitten rauer Natur, zwischen den Tieren des Hofs und mit den eigenbrötlerischen Bewohnern des nahen Dorfes auf. Schon bald findet sie Spuren ihres verschollenen Vaters, den die Mutter hier auf Pencarreg kennengelernt hatte, dessen Name aber niemals ausgesprochen werden darf. Ein eingeschnitztes K im Fensterrahmen ihres Zimmers, das früher von ihrer Mutter bewohnt wurde, lässt ihr keine Ruhe. Sie sucht die Nähe des misstrauischen Außenseiters Billy Macklin und gewinnt seine Freundschaft. Eines Tages verschwindet Eves Schulkameradin Rosie Hughes spurlos. Eve ist sicher, den Täter gesehen zu haben, denunziert jedoch einen Unschuldigen. Auch intensivste Suchaktionen bleiben erfolglos und nichts ist mehr wie es einmal war. Die Idylle hat ihre Unschuld verloren.
Familienroman, Entwicklungsroman, Gothic -- viele Elemente verbinden sich in Susan Fletchers Roman zu einem harmonischen Ganzen. Eine vorzügliche Beobachtungsgabe für Mensch und Natur zeichnet die Autorin ebenso aus wie die Fähigkeit zu unaufgeregter Schilderung auch unerhörter Ereignisse. Eine beunruhigende Atmosphäre prägt ihre außergewöhnliche Geschichte, die kaum merklich, aber stetig an Spannung gewinnt. Fletcher widersteht auch der Versuchung, den Leser mit einem schlüssigen Ende zu verwöhnen. So ist Eve Green mit Sicherheit einer der wirklich herausragenden Romane der letzten Jahre. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich viele Leser diesem intelligenten, spannenden und wirklich ungewöhnlichen Buch widmen werden. --Ulrich Deurer
Gute Ansätze, aber sprachlich überfrachtet und stellenweise naiv (Bewertung 2 von 5)
» Dora
Wegen der vielen guten Kritiken und da ich auf die junge, bereits renommierte Autorin gespannt war, habe ich "Eve Green" gekauft. Die verschlungene Familiengeschichte, mehrere Zeitebenen, um tiefer ins Geschehen einzutauchen, und eine Hommage an das Leben auf dem Land, all diese Elemente klangen in meinen Ohren vielversprechend.
Frau Flechter hat Kreatives Schreiben studiert, was an ihrem Stil überdeutlich wird. Um jeden Preis (und mit sehr vielen Adjektiven!) versucht sie die Details herauszustellen und jedes Gefühl wird mit einem (oft blumigen) Vergleich unterstrichen. Es ermüdete mich recht bald, da man die Sätze fast vorformulieren kann, derart häufig kommt dieses Stilmittel zum Einsatz.
Oft wiederholt die Autorin Gegebenheiten, so dass der Text an einigen Stellen langatmig wird und ich wünschte, sie würde weniger auf die Breite und mehr auf die Tiefe ihrer Erzählung wert legen.
Mitunter ist es erfrischend der Ich-Erzählerin bei den vielen Reflektionen, die sie anstellt, zu folgen, oft empfand ich die Gedankengänge aber auch als ermüdend, da sie vorhersehbar waren und/oder naiv. Vor allem lassen sie aber, durch haufenweise rhetorische Fragen und suggestive Formulierungen, mir als Leser, wenig Möglichkeit die Geschehnisse zu betrachten und eine eigene Position zu beziehen. Frau Flechter setzt dem Leser quasi einen fertig interpretierten Text vor, was m.E. die Geschichte um Dynamik und mich teilweise um den Lesegenuss brachte.
Die Figuren sind alle liebevoll ausgearbeitet, allerdings sind die Charaktere nicht sonderlich individuell gewählt: Die schöne, depressive Mutter, die gute, besorgte Großmutter, der gutherzige, zu Unrecht missachtete Sonderling, der eitle Fiesling, der hinterhältige Alte usw. - all diese Figuren kennt man aus vielen anderen Erzählungen und sie überraschen auch in dieser nicht.
Insgesamt denke ich, Frau Flechter hätte gut daran getan, ihr handwerkliches Können etwas zurück und dafür tatsächliche Kreativität in den Vordergrund zu stellen. Hätte sie den Figuren, ihrem Schreibstil und somit auch dem Leser mehr Freiheiten zugestanden, hätte die Geschichte um Eve Green sehr viel besser werden können.
Gefallen hat mir, wie sie das Landleben und die Natur geschildert hat und auch, dass Frau Fletcher darauf verzichtete, ihre Hauptfiguren allesamt zu Schönheiten zu verklären, fand ich gut. Dass sie sich entschloss ihre Geschichte relativ offen enden zu lassen, gefiel mir ebenfalls, auch wenn ich besonders zum Ende hin, die Betrachtungen der Ich-Erzählerin naiv und viel zu langatmig fand.
Nachdem ich "Eve Green" beendet hatte, stellte sich bei mir leider das nicht sehr angenehme Gefühl ein, da gerade ein Buch gelesen zu haben, das ist wie Zuckerwatte, süß und substanzlos.
Leichte Lehren (Bewertung 3 von 5)
» K. Beck-Ewerhardy
Evangeline Green - die auf ihren Vornamen durchaus stolz ist - nähert sich zwei wichtigen Wendepunkten in ihrem eigenen Leben. Zum einen steht sie kurz vor dem Erreichen des 30. Lebensjahrs, was sie sehr nachdenklich macht - und zum Anderen steht sie kurz vor der Entbindung, was sie auch nicht gerade kalt lässt. In dieser Situation lässt sie ihr bisheriges Leben und die äußeren Einflüße, die es darauf gab, Revue passieren und erzählt uns eine relativ einfache, aber trotzdem anrührende Geschichte.
Ein anderes wichtiges Thema dieses Buchs ist die Form, die Liebe annehmen kann, wobei eigentlich keine Form der Liebe wirklich ausgenommen ist, wenn auch die dunkleren Seiten nur indirekt angesprochen werden, was sich allerdings durch die gesamte Erzählung zieht und diese darum stark beeinflusst in ihrer Wirkung.
Das letzte große Thema danach ist die Wirkung von Lügen in den Leben der Menschen und wie diese Leben vernichten können, wenn sie nur überzeugend genug erzählt und zu bereitwillig geglaubt werden.
Ein sehr stimmungsvolles, wenn auch nicht aufregendes Buch, dass sehr zur Entspannung der Leserinnen und Leser betragen dürfte. Vielleicht etwas für die sicherlich kommenden verregneten langen Herbstabende, mit einer Kanne Tee und etwas Gebäck daneben.
Kindheit in Wales (Bewertung 4 von 5)
» marielan
Bis zum Alter von acht Jahren lebt Eve mit ihrer Mutter in Birmingham, als diese plötzlich stirbt und das Kind zu den Großeltern in eine ländliche Gegend von Wales gebracht wird. Sie wächst mit einem Geheimnis auf, über das die Großeltern Schweigegebot verhängt haben: Wer war ihr Vater? Aus kleinen Bruchstücken und Andeutungen setzt sie sich ein Bild zusammen. Doch auch ein anderes Rätsel durchzieht ihre Kindheit: Was ist mit dem Mädchen Rosie geschehen, das eines Tages spurlos verschwindet und von dem nur ein Rollschuh gefunden wird?
Eve betrachtet sich selbst; sie ist Ende zwanzig und erwartet ihr erstes Kind. In Versatzstücken reiht sie, oft assoziativ und nicht immer chronologisch, Schilderungen ihrer Kindheit und Berichte ihres jetzigen Lebens aneinander. Auch wenn der Tod der Mutter einen tiefen Riss in ihr Leben zog, hat man nicht den Eindruck, als würde sie von da an unter dem Schatten dieses Geschehens stehen. Die liebevolle Art, wie die Großeltern mit ihr umgehen, und die wachsende Verbundenheit mit ihrer neuen Heimat fangen sie auf. Es sind nur eine Handvoll Menschen, mit denen sie Umgang hat, denn der Hof der Großeltern liegt abgeschieden außerhalb des Dorfes. Kontakt zu Erwachsenen sucht sie weniger wegen der Geselligkeit als aus Neugier, denn irgendjemand muss doch den Mann kennen, mit dem ihre Mutter in der Zeit vor der Schwangerschaft zusammen war. Dass einige Leute ihr misstrauisch, argwöhnisch und sogar feindselig begegnen, hat, so spürt Eve, seinen wahren Grund in der Ablehnung ihres Vaters.
Vor allem zu zwei Menschen fühlt sie sich hingezogen: Daniel, der in einem Wohnwagen auf dem Land der Großeltern lebt, ihnen auf der Farm zur Hand geht, Eves Tröster, Vertrauter, später ihre große Liebe und der Vater ihres Kindes. Der zweite ist Billy, ein Herumtreiber, der nach einem Unfall mit schwerer Kopfverletzung nicht mehr in seinen normalen Alltag zurückfindet. In seiner Person kristallisiert sich Rosies merkwürdiges Verschwinden, dessen Folge zum Schmerzlichsten wird, was Eve erlebt. Auch ihr eigenes Verhalten in diesem Fall betrachtet Eve; sie erklärt, aber sie entschuldigt nicht, was sie getan hat.
Das Buch lebt in und von der Landschaft, die es beschreibt. Auch wenn sie von den Großeltern bei der Arbeit nicht eingespannt wird, ist es das bäuerliche Leben, das Eve prägt, und die Freiheit, überall herumzustrolchen, eine Freiheit, die auch nach Rosies Verschwinden nicht beschnitten wird. Es scheint in dieser Welt seltsam unpassend, dass Rosie Gewalt zugestoßen sein soll, und ebenso wie einige Dorfbewohner klammert sich der Leser gern an die Illusion, das Mädchen sei von Zuhause weggelaufen und lebe anderswo glücklich weiter.
Die beiden großen Themen der Literatur, Liebe und Tod, sind auch Eves Themen; am Anfang steht der Tod der Mutter, und Eve setzt in ihrem Rückblick dort eine Zäsur, wo die meisten Menschen ihrer Kindheit gestorben oder durch irgendein Ereignis aus ihrem Blickfeld verschwunden sind. Die Liebe ist das Bleibende, personifiziert in Daniel, Eves Synonym für Liebe seit sie acht Jahre alt war.
Von den Geheimnissen löst Eve keines. Was durchaus realen Biographien entspricht. Von einer fiktiven Biographie hätte meine Neugier sich allerdings die Auflösung wenigstens eines Rätsels gewünscht.
Unspektakulär schön (Bewertung 4 von 5)
» TinaRostock
Ein leises Buch. Es erzählt unspektakulär, aber doch mit langsamen Spannungsaufbau die Geschichte einer ländlichen Kindheit, rückblickend von der nun erwachsenen Eve. Die Geschichte von Verlust, von Liebe, von Abenteuer, von Verrat. Schön geschrieben, man kann fast das walisische Gras riechen und den Staub sehen, der durch Lichtritzen in alten Scheunen tanzt.
??? (Bewertung 3 von 5)
» allyif
Das Buch wirkt durcheinander geschrieben, ohne Gliederung und ohne Benutzung verschiedener Tempora. Es konnte kein richtiger Lesefluss entstehen, und viel Spannung kam auch nicht auf.
Manchmal vielleicht ganz nett. Eher nichts für Jugendliche, was wieder die Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2006 anspricht, die dieses Buch meiner Meinung nach nicht verdient hat.
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Eve Green.
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