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Kleine Lichter.


Roger Willemsen

Broschiert. Fischer (Tb.), Frankfurt 2006-10.
ISBN: 3596170443 / 3-596-17044-3
EAN: 9783596170449


Präsentation des Verlages

Kleine Lichter, das sind kleine, nicht sehr geniale Menschen. Kleine Lichter, das sind aber auch die Silberstreifen am Horizont. Die Liebe zum Beispiel ist so ein kleines Licht, das, längst verloschen geglaubt, doch ins Leben zurückrufen kann. So geht es Valerie und Rashid, letzterer im Komazustand und momentan nicht mehr ansprechbar. Rashid liegt in einem Krankenhaus in Wien, und Valerie, seine Gefährtin, verwandelt im Angesicht des Todes die Sprache ihrer Liebe in reine Sprache: auf Tonkassetten hält sie fest, wie alles begann mit ihrer Zuneigung, wie alles abzustumpfen drohte -- und wie nun alles von vorne beginnt. „Hier endet meine Reise zu den Männern“, sagt Valerie. Aber zu dem einen, zu Rashid, hat sie gerade erst (erneut) begonnen.

Bekannt wurde Roger Willemsen als einfühlender Interviewpartner im Fernsehen. Wie umwerfend er sich in fremde Personen hineinversetzen kann, konnten Leser unter anderem in seinem Bestseller Gute Tage mit Porträts bekannter Persönlichkeiten bestaunen. Mit Kleine Lichter hat Willemsen sein quasi stenographisches Romandebüt vorgelegt -- und gezeigt, dass er sich auch im Reich der Fiktion auf sprachliche Intuition und sein Einfühlungsvermögen verlassen kann. Kleine Lichter ist ein feines, kleines, leises Buch, dem man die Herkunft aus der Feder des geschulten Germanisten Willemsen bis auf einige Gewolltheiten im Aufbau kaum anmerkt. Da kann man nur hoffen, dass dem erstaunlichen Prosaerstling noch eine ganze Menge nachfolgt.

„Ich verdanke dir viel“, heißt es im Roman. „Du hast mich reicher gemacht, nicht nur durch dein Schweigen.“ Mit Kleine Lichter ist das Willemsen dank seiner Sprache ähnliches gelungen. -- Stefan Kellerer




Mehr Essay als Roman, aber trotzdem...   (Bewertung 4 von 5)
» Dragana Djordjevic-Laky

Der erste Roman des sanftmütigen, gleichfalls des IQ-Dünkels bezichtigten Roger Willemsen brachte so einige Erwartungen mit sich. Hinter dem niedlichen Buchtitel verbirgt sich eine Liebesgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes: Es gibt praktisch keine aktuelle Handlung; erzählt wird, aus der Sicht einer Frau, von vergangenen Szenen einer Beziehung, in welcher der Mann gegenwärtig im Koma liegt. Vor allem erzählt wird aber von der Liebe. Nicht nur erzählt, sondern philosophiert, theoretisiert, ja seziert, bis einem zeitweilig die Liebe ein bisschen zum Hals heraushängt. Der Versuch, etwas Immaterielles, Hochsubjektives in Kleinstteilchen auseinanderzusetzen, dazu noch in der Rolle des anderen Geschlechtes ist naturgemäss schwierig, ist allerdings beträchtlich gut gelungen. Willemsen ist ja auch nicht irgendwer. Er nimmt sich der Irrungen und Wirrungen des Herzens leidenschaftlich an, er verleiht Valerie eine durch Schmerz und Verzweiflung geläuterte Stimme, die zumeist ehrlich klingt (wenn Männer in Frauenrollen schreiben und umgekehrt, ist dies oft durchsichtig), er beantwortet Fragen, die man sich niemals gestellt hätte, und er hinterlässt das Gefühl, nach dem Lesen schöngeistiger zu sein als vorher. Allein dafür verdient er eine gute Note.


Viele lange Gedankenstriche   (Bewertung 1 von 5)
» Tim Tillermann

Dieses Hörbuch wird die Gemüter spalten. Die einen werden angetan sein von geistreichen, tiefsinnigen und einfühlsamen Gedanken eines sensiblen Intellektuellen über das große Thema Liebe, überzeugend vorgetragen von der bekannten Stimme Roger Willemsens und begleitet durch leise Piano-Töne.

Die anderen (nicht nur Grobiane mit Fleischergemüt) werden sich hingegen eher gelangweilt oder abgestoßen fühlen von kitschigen Ergüssen geistiger Selbstbefriedigung, selbstverliebtem Gefasel eines eitlen Gockels, penetrant-pathetisch und leicht lispelnd präsentiert vom Meister selbst, untermalt von teils einschläfernder, teils nerviger Klimperei, die dem Ganzen noch einen unfreiwillig komischen Charakter verleiht. "Hurz!", würde Hape Kerkeling da rufen.

Zugegebenermaßen gehöre ich selbst zur Gruppe der "anderen". Doch möchte ich Herrn Willemsen gar nicht widersprechen, wenn er an einer Stelle sagt: "Du merkst, ich bewege mich auf vielen langen Gedankenstrichen..." Ja, das merken wir wohl.




Ein sprachliches Spektakel   (Bewertung 5 von 5)
» Melanie

"Kleine Lichter" besticht durch sprachliche Schönheit. Roger Willemsen versteht es, den Leser mit seiner einfühlsamen und bildreichen Sprache in den Bann zu ziehen. Es ist faszinierend, wie genau er den Ton trifft und Valeries Zwiespalt zwischen ihrer Rolle als starker, unabhängiger Frau und ihrer Sehnsucht nach Nähe, dem Wunsch, sich im anderen zu verlieren und selbst wiederzufinden, beschreibt. Absolut lesenswert!!!


So schön kann Sprache sein   (Bewertung 5 von 5)
» KK

Ich liebe die Sprache des Buches, ihren Klang, ihre Wortwahl, ihre klassische Ausdrucksweise. Eben ein Bisschen wie im letzten Jahrhundert.


Viel Gerede, keine Handlung   (Bewertung 2 von 5)
» Mirka

Leider hat das Buch auch mir nicht gefallen. Zu viele Worte, zu wenig Handlung. Ich musste herzlich lachen über den Amazon-Rezensenten der schrieb: "Nach der Lektüre kann man nur vermuten, daß Rashid vor dem ungebremsten Schwafeldrang seiner Geliebten ins Koma geflüchtet ist!" Sehr treffend bemerkt. Ich hätte meine eigenen Gefühle nach dem mühsamen Lesevorgang des Buches nicht treffender beschreiben können. 2 Sterne für die Mühe.





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