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Selbstbild. Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt


Carol Dweck Jürgen Neubauer

Gebundene Ausgabe. Campus Verlag 2007-03.
ISBN: 3593379112 / 3-593-37911-2
EAN: 9783593379111







Ein belebender Weckruf   (Bewertung 4 von 5)
» Rolf Dobelli

Dass unsere Gedanken und Einstellungen der Schlüssel zu unserem Verhalten sind, ist nicht neu. Die Psychologieprofessorin Carol Dweck arbeitet in ihrem Buch zwei mentale Grundeinstellungen heraus, die sie das statische und das dynamische Selbstbild nennt. Sie belegt überzeugend, dass diese beiden Grundeinstellungen einen enormen Einfluss auf unser Leben, auf Erfolg oder Versagen, ausüben. Zur Veranschaulichung greift die Autorin auf eindeutige Beispiele zurück – auch wenn die beiden Grundeinstellungen in der Realität natürlich nicht immer in reiner Form vorkommen. Systematische Erläuterungen liegen verstreut zwischen den zahlreichen, ja fast zu zahlreichen Geschichten und Anekdoten, die das statische und das dynamische Bild von sich und der Welt in Partnerschaft, Erziehung, Ausbildung, Sport oder Beruf veranschaulichen. Wir legen das Buch allen ans Herz, die sich ihrer Potenziale und Wahlmöglichkeiten bewusst werden wollen: um gezielt an sich selbst zu arbeiten und über sich hinauszuwachsen.


Ruhen Sie sich nicht auf Ihren Lorbeeren aus, lernen Sie stattdessen dazu!   (Bewertung 5 von 5)
» Helga König

Carol Dweck ist Professorin für Psychologie an der Stanford University. Sie befasst sich, wie man dem Klappentext des vorliegenden Sachbuchs entnehmen kann, mit Motivations- und Entwicklungspsychologie.
Das Buch erhebt nicht den Anspruch ein wissenschaftliches Werk zu sein, das an der Uni als einschlägige, weiterführende Lektüre angeboten werden soll, sondern es wendet sich an eine breite Leserschaft. Deshalb gibt es keine Fußnoten, deshalb gibt es keine empirischen Erhebungen, die in epischer Breite ausgewertet werden. In dieser Gegebenheit einen kritikwürdigen Mangel zu sehen, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Wer sich weiterführend informieren will, kann sich wissenschaftliche Publikationen der Professorin zu Gemüte führen. Keiner wird ihn daran hindern.
Habe Dweck mit großem Interesse und dabei bewusst langsam gelesen, nachdem zwei konträre Rezensionen bei Amazon meine Neugierde auf den Text geweckt hatten.
Die Psychologin befasst sich in diesem Buch mit so genannten Selbstbildern und deren Auswirkung auf diejenigen , die sie besitzen, aber auch deren Umfeld.
Dweck unterscheidet zwischen einem statischen und einem dynamischen Selbstbild. Dabei zeigt sich , dass die Personen mit dynamischem Selbstbild eine größere Bereitschaft zeigen dazuzulernen und sich zu verändern. Sie halten selbst Intelligenzwerte für variable Größen und sind grundsätzlich offener, Grenzen zu überwinden und das eigene Potential auszuschöpfen.
Der Erfolgsbegriff wird anders definiert als bei Menschen mit statischem Selbstbild. Man möchte dazu lernen, sich verbessern und sich auf Neues einlassen. Es geht nicht darum perfekt zu sein, sondern darum Herausforderungen anzunehmen und Fortschritte zu erzielen.
Weil man keine Probleme hat, zu seinen Fehlern zu stehen, da man stets hofft sie beheben zu können, also besser zu werden, kann man auch gelassener mit Niederlagen umgehen. Das Selbstwertgefühl wird dadurch nicht beeinträchtigt , während Menschen mit statischem Persönlichkeitsbild immer nach Personen Aussschau halten, die vermeintlich schwächer sind als sie selbst, um sich nicht unterlegen fühlen zu müssen. Treten Fehler bzw. Niederlagen bei diesen Menschen auf, suchen sie sogleich nach Entschuldigungen oder einem Schuldigen um ihr Selbstwertgefühl wieder herzustellen.Die Vorstellung alles zu geben und trotzdem zu scheitern löst bei solchen Menschen Angst und Lähmung aus, wie die Autorin anhand vieler Beispiele nachweist.
Dweck zieht bekannte Persönlichkeiten heran, um durch deren Viten ihre Erkenntnisse zu verdeutlichen. Eine solche Vorgehensweise halte ich in einem Sachbuch für legitim, zudem lockert es den Text ein wenig auf.
Es soll an dieser Stelle abermals darauf hingewiesen werden, dass die Professorin keine wissenschaftliche Abhandlung vorgelegt hat.
Bereits in der Kindheit werden die Weichen dafür gestellt, welches Selbstbild sich beim Einzelnen manifestiert, aber auch darauf, dass diese Selbstbilder veränderbar sind. Die Autorin betont immer wieder und begründet auch, weshalb die statische Denkweise Leistung verhindert und schlechte Lernstrategien fördert. Sie ist skeptisch gegenüber zu viel Lob bei Kindern und glaubt, dass dies statisches Denken fördere, weil man dadurch den Hunger nach Herausforderung unterminiere.
Der statisch denkende Mensch werde leichter zum Opfer von positiven und negativen Vorurteilen, was sich speziell bei Mädchen nachweisen lässt. Diese seien um so verunsicherter hinsichtlich ihrer Mathematikkenntnisse, je statischer ihr Selbstbild sei.
Dem Begriff des Naturtalentes gegenüber hat Dweck Vorbehalte. Naturtalente lernen offenbar nie hart zu arbeiten oder mit Rückschlägen umzugehen, so Dwecks Beobachtung.
Die Psychologin beleuchet ausgiebig so genannte Siegermentalitäten . Diese haben, wie sie herausgefunden hat, stets einen Antrieb, der zum Üben motiviert und ermöglicht tief in sich eine Kraft zu finden, wenn sie erforderlich ist.
Die Autorin konstatiert, dass Menschen mit dynamischem Selbstbild sich dann für erfolgreich halten, wenn sie ihr Bestes geben , wenn sie lernen und ihre Leistungen steigern. Rückschläge empfinden diese Menschen als motivierend, weil sie eine Art Weckruf für sie sind.
Stattdessen empfinden Menschen mit statischem Selbstbild Niederlagen immer als Stigma. Dies macht Dweck an Verhaltensweisen einiger bekannter Sportlern begreifbar.
Personen mit statischem Selbstbild nehmen ihr Leben nicht selbst in die Hand. Sie bauen immer nur auf ihre Talente, doch wenn diese versagen, stehen ihnen keine anderen Möglichkeiten offen. Ursache dafür sei, dass diese Menschen sich nicht als Prozess, sondern als Produkt empfinden. Personen mit statischem Selbstbild übernehmen keine Verantwortung. Sie geben anderen die Schuld für ihre Niederlagen.
Dweck hält fest, dass man in Unternehmen bei Misserfolgen stets genau analysieren muss, ob Inkompetenz oder Korruption diese ausgelöst haben.
Die Autorin zeigt, dass Personen , die ihren Misserfolgen ins Auge sehen können, am Ende doch wieder Erfolg haben.
Wenn Firmenführer sich wie Könige gebärden, umgeben sie sich gerne mit Schmeichlern. Ihr Ziel ist es sich unbesiegbar zu fühlen, aber diese Wünsche scheitern oft an der Wirklichkeit. Statisch denkende Führungskräfte sonnen sich in ihrer Macht und verhalten sich in der Regel kontraproduktiv gegenüber ihren Mitarbeitern. Im Gegensatz zu dynamisch ausgerichteten Führungskräften scharen sie Mitarbeiter um sich, die ihnen geistig unterlegen sind, weil sie fähige Menschen in ihrem Dunstkreis nur schwer ertragen können.
Immer wieder erwähnt die Autorin Jack Welch , der für sie der Inbegriff eines erfolgreichen, dynamischen Zeitgenossen ist . Dieser Mann stellte seine Fähigkeiten in den Dienst von General Electric und machte den Konzern zu dem , was er heute ist. Jack Welch steht für Erfolg auf der ganzen Linie.
Die Psychologin hinterfragt weiterhin die so genannte " Wir-Denke" und beleuchtet ab welchem Zeitpunkt sie zu statischen Selbstbildern führt.
Sie zeigt außerdem , wie sich diese unterschiedlichen Denkweisen auf Partnerschaft und Liebe auswirken. Dabei analysiert sie, dass es notwendig sei Schüchternheit zu überwinden, weil diese daran hindere soziale Kompetenz aufzubauen.
Dweck zeigt, wie statisch denkende Menschen mit emotionaler Ablehnung umgehen und weshalb Mobber stets Personen mit statischem Selbstbild sind. Zudem verdeutlicht die Psychologin , weshalb es in zwischenmenschlichen Beziehungen immer um Spaß und Lernen und nie um urteilen geht.
Dweck kommt zu dem Ergebnis, dass die einzelnen Selbstbilder erlernbar sind und widmet diesem Gedanken ein ganzes Kapitel in ihrem Buch. Sie zeigt das Verhalten von Kindern und Eltern, von Lehrern und Schülern und lässt das Buch mit einem Workshop enden, wo sie ihre umfangreichen Erkenntnisse abermals durch viele Beispiel illustriert.
Die Professorin versucht dem geneigten Leser zu einem besseren Selbstvertrauen zu verhelfen, indem sie klar macht, dass derjenige der bereit ist wirklich dazuzulernen, im Leben letztlich niemals entgültig scheitern kann.
Ein tolles Buch! Beeindruckend!


Wirklich weltweit führend?   (Bewertung 2 von 5)
» Fuchs Werner Dr

Carol Dweck wird vom Campus Verlag als eine der weltweit führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Motivations- und Entwicklungspsychologie vorgestellt. Das ist eine Behauptung, die ich arg bezweifle. Zum einen, weil Carol Dweck von den wirklich führenden Entwicklungspsychologen kaum zitiert wird, zum andern, weil ich dieses Buch gelesen habe. Ausserdem lässt auch ihre Literaturliste nicht darauf schliessen, Carol Dweck würde sich intensiv mit den neusten Forschungsarbeiten der Entwicklungspsychologie auseinandersetzen. Aber bleiben wir beim Buch.

Die Grundthese ist einfach: Es gibt Menschen mit einem statischen Selbstbild, die wir im Folgenden mit S bezeichnen, und Menschen mit einem dynamischen Selbstbild, die D-Typen. S-Menschen glauben nicht an die Veränderbarkeit menschlicher Persönlichkeitseigenschaften und gehören daher tendenziell zu den Verlierern. D-Typen glauben an die Veränderbarkeit und sind daher überdurchschnittlich oft unter Gewinnern zu finden. Nun darf natürlich jeder behaupten, was er will. Das Ärgerliche ist nur, wenn sich die Beweisführung so wissenschaftlich gibt, wie das Carol Dweck bis zum Abwinken zelebriert, aber letztlich alle Regeln wissenschaftlicher Beweisführung verletzt. Das scheint auch dem Unbewussten von Carol Dweck nicht entgangen zu sein. Denn anders kann ich es nicht erklären, dass sie immer wieder auf Ihren Professorentitel verweist, Dankesbriefe gewordener D-Typen zitiert, von ihren aufwändigen Studien berichtet und Annahmen als Wahrheiten bezeichnet. Doch kunterbunt vermischt die Stanforder Psychologieprofessorin Veränderungspotenziale von Kindern mit denen von Erwachsenen, Genetisches mit Erworbenem, Ursachen mit Wirkungen, Analysen mit Prognosen, Äpfel mit Birnen. Auch nicht gerade wissenschaftlich ist es, wenn sie aus biografischen Daten erfolgreicher Spitzensportler, Unternehmer, Künstler und Politiker die Beweiskette für ihre Thesen schmiedet. Wissenschaftlichkeit hat zudem wenig mit der Zahl der Anwendungsgebiete zu tun. S- und D-Typen im Sandkasten, in der Schule, im Sport, im Unternehmen, in der Partnerschaft und beim Sex zu beobachten ist daher nicht zwingend.

Auf Seite 242 unternahm ich den nicht ganz einfachen Versuch, meinen Ärger über Carol Dwecks wissenschaftliche Arbeitsweise zu vergessen, indem ich ihr Buch eine Woche liegen ließ. Denn ich wollte ihr letztes Kapitel nicht allzu emotional angehen. Immerhin ist es das Hauptstück und trägt den verheißungsvollen Titel "Ändern Sie ihr Selbstbild: Ein Workshop." Doch auf Seite 280 war mein Groll noch größer als vor der Lesepause. Entweder ich habe eine bekloppte Vorstellung von Workshop oder den von Carol Dweck einfach nicht begriffen. Statt konkret zu sagen, was man nun tun soll und kann, um sich von einem S-Typen in einen D-Typen zu verwandeln, erfahren wir einmal mehr, was andere machten und dass wir ihnen bloß nachzueifern haben. Das steht im Einklang mit der Aussage auf Seite 59, die da lautet: "Ihre Denkweise ist ein wichtiger Teil Ihrer Persönlichkeit, aber Sie können Sie verändern. Es reicht schon aus, dass Sie die beiden Einstellungen kennen, um auf neue Art und Weise zu denken und zu handeln." Tja, bei dieser Ausgangslage gehöre ich selber wohl zu den immunen Ausserirdischen. Da wirkt es schon fast ironisch, dass uns Carol Dweck auf Seite 11 gesteht, was ihr Leben veränderte, sei einfach passiert. Denn dass unser Schicksal eher vom Zufall als von unserem positiven Denken beeinflusst wird, kommt den Gesetzmäßigkeiten komplexer Systeme eher nahe.

Mein Fazit: Ein Buch, das ich so negativ bewerte, weil die Autorin ihr persönliches Glaubensmodell als wissenschaftliche Wahrheit verkauft, sich gegen Andersgläubige mit akademischen Titeln schützt und in der unseligen Tradition steht, jeder sei letztlich für sein Glück selber verantwortlich.



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