"Non coerceri maximo.. (Bewertung 3 von 5)
» Cittadino
..contineri tamen a minimo, divinum est" (vgl. J. Ratzinger, Einführung i.d. Christentum; Ausg. Weltbild 2005, S. 135, Fn. 18).
Im ephemeren Segment der politischen Publizistik hebt sich das Lohmann-Buch positiv ab, denn es stellt eine These in den Raum, die eine angeregte Sachdiskussion lohnen würde. Es scheint da aber eine Zweideutigkeit hinsichtlich der Zielgruppe zu geben: Gelesen (oder nur rezensiert?) und sogar verrissen wurde das Buch vorwiegend von Milieu-Insidern katholisch-konservativer Provenienz, die den persönlichen Anspruch des Autors missbilligt haben, denen die Benedetto-Thematik vertraut ist. Geeignet und angemessen ist das Buch aber vielmehr für jene "außerhalb", die wissen wollen, was der Papst zum (müden) gesellschaftlichen Diskurs beitragen könnte.
Über die Ausgangsthese gehen manche Rezensenten zu eilig hinweg, als sei ihnen unheimlich, dass der bayrische Papst längst Deutschland mehr verändert haben könnte als "seine" deutsche Kirche. Ob man am persönlichen Plauderton des Autors also Anstoß nimmt, oder nicht, wird also nicht zuletzt vom Vorurteil abhängen.
Das Buch ist der Essay eines engagierten Journalisten. Es eignet sich sicher nicht als (verspätet) "antikommunistisches Manifest", es verfolgt keinerlei wissenschaftlichen Anspruch, es darf aber auch nicht mit Kriterien der Belletristik gemessen werden. (Wer würde je Bücher von Geißler oder Joschka Fischer so lesen?) Lohmann verkündet keine "letzten Worte", sondern "erste Ansichten" zum Thema.
Sehr lesenswert ist die Zusammenfassung des Habermas-Ratzinger-Gesprächs, sowie die Deutung von "Regensburg", sowohl bezogen auf den Islam als auch bezogen auf das "Abendland". Geärgert hat der Publizist vermutlich das eigene Lager mit seinen Mutmaßungen über die Insuffizienz der steuerfinanzierten Kirchenstrukturen einerseits und die "wertkonservative" Unaufrichtigkeit von CDU/CSU andererseits (Programmkritik), die allzu gern wertkonservativ nennt, was doch nur strukturkonservativ ist.
Lohmann spricht die "Machtfrage" an, bleibt hier aber leider doch zu undeutlich, um Missverständnisse vermeiden zu können. Zwar wird an mehreren Stellen explizit ein Machtanspruch der Kirche ausgeschlossen. Aber damit ist die brennendste Frage zwischen Staat und Kirche nur aufgeworfen, nicht beantwortet. Bleibt die katholische Soziallehre partiell unter Ideologieverdacht (wie 1964 von Joseph Ratzinger geäußert) oder hat sie einen selbstlosen Beitrag zum gesellschaftlichen Fortschritt zu bieten?
Der wichtigste Dienst, den der Papst längst leistet, ist wohl der, dass viele Deutsche mit etwas mehr Sympathie nach Rom schauen und sich manche Anregung gefallen lassen. Das ist schon viel, aber es spricht zuerst die Gewissen an, zuletzt die Strukturen. Darüber wird weiter nachzudenken sein.
Zur Abwertung führt letztlich, dass Lohmann kaum verhüllt seinen ehem. Arbeitgeber schmäht (S. 150 ff.), diese Kritik aber mit Papstworten garniert! So nicht.
Mogelpackung (Bewertung 1 von 5)
» B. Zinselmeyer
Ist doch eigenartig, nach dem schlechten Start des Buches hier und zum Teil vernichtenden Rezensionen in der Kölner Kirchenzeitung, dem Tagesspiegel und der Tagespost erscheinen plötzlich zwei Maximal-Lobeshymnen mit 5 Sternen, die sich wie Werbetexte lesen. Sollte das Buch auch nur halb so schlimm sein wie die ersten Rezensenten hier meinten - 5 Sterne verdient es mit Sicherheit nicht. Da ist der Autor wohl übers Ziel hinausgeschossen und hat sich damit selbst entlarvt.
Bei Kerner wirkte er übrigens neben den anderen Gästen total blass und nichtssagend. Der angebliche intime Papstkenner Lohmann trug nur Belangloses zum Gespräch bei. Genauso ist sein Buch: Ratzingers Reden und Predigten schlecht nacherzählt und ohne ernstzunehmenden Hinweis darauf, dass er Deutschland wirklich verändert. In der Tat: Eine Mogelpackung.
Erfrischend gelungenes Werk (Bewertung 5 von 5)
» Kaplan Rabeneck
Martin Lohmann hat mit diesem Buch eine vollkommen neue Seite im Dickicht der Papstbücher aufgeschlagen. In klarer und kurzweiliger Weise schreibt er über die geistige und geistliche Kraft Benedikts XVI. und ihre Deutschland inspirierende und verändernde Wirkung. Wer das Buch einmal angefangen hat, ist versucht es an einem Stück durchzulesen! Weder das Buch noch Lohmann selbst sind rechtsreaktionär, noch egozentrisch. Wer ihn bei Kerner gesehen hat, konnte bemerken, wie bescheiden und natürlich er herüberkommt. Das Buch jedenfalls von dem hier die Rede ist und das ich gelesen habe, ist ein Gewinn für jeden, dem es um Deutschland, den Glauben und die Kirche wichtig ist und es ist daher superempfehlenswert.
Eine ganz neue Sicht! (Bewertung 5 von 5)
» Lorenzo Paravicini
Lesestoff vom Feinsten! Zunächst hatte ich eine weitere der zuletzt inflationär erschienenen Papst-Biographien erwartet, wurde durch positive Kommentare eines Kollegen aber neugierig und habe das Buch von Martin Lohmann prompt in einem Stück durchgelesen. Neu daran ist die gesellschaftspolitische Sicht auf das Pontifikat Benedikts XVI, die Lohmann - langjähriger Chefredakteur der Koblenzer Rheinzeitung und zuvor Leiter des Ressorts "Christ und Welt" beim Rheinischen Merkur - in teils unterhaltsamer, häufig brillanter Manier ausbreitet. In der Schreibe flott und wohltuend sich abhebend von manch peinlich-anbiederndem Gefasel einiger anderer so genannter "Papst-Kenner", belegt Lohmann durch die Auswertung zahlreicher Publikationen und Studien der letzten Jahre sowie auf Grund seiner offenbar guten Kontakte zu seinem einstigen Dozenten Ratzinger den von vielen noch gar nicht bemerkten gesellschaftspolitischen Wandel, den die "benedettinische Wende" in Deutschland bewirkt. Natürlich ändert dieses Pontifikat nicht gleich die Welt, aber spürbare geistige wie geistliche Veränderungen durch den Papst aus Deutschland weist der Autor in nachvollziehbarer Logik und bestechender Klarheit nach und belegt sie durch zahlreiche Zitate und Verknüpfungen. Auch nicht primär papstinteressierte oder rein katholische Leser spricht Lohmann durch seine geschickte Argumentation und sein sprachlich angenehm hohes Niveau an. Nicht umsonst wurde das Buch nicht von einem Kardinal oder anderen üblichen Verdächtigen, sondern vom Freidenker und Atheisten Gregor Gysi in Berlin vorgestellt. Kritik am Rande: Das Buch weist in der Tat überdurchschnittlich viele Druck- und Rechtschreibfehler auf, ein Vorwurf, der aber eher das Lektorat des Verlags als den Autor betreffen dürfte und die Qualität des Inhalts nicht schmälert. Fazit: Ein erfrischendes und mutiges Buch, nicht (nur) für Papstfans oder Katholiken; zum Lesen ausdrücklich zu empfehlen!
Schlecht, mehr als schelcht, und dumm-schlimm (Bewertung 1 von 5)
» Georg
Ein typisches Trittbrettfahrerbuch, das einzig und allein der Selbstdarstellung dient und in erster Linie eine nicht gering zu bewertende Profilierungssucht offenbart. Der Autor scheint es zu lieben, sich als "intimen Papstkenner" feiern zu lassen - was er nicht ist. Deutschland habe sich verändert? Es scheint allein dem selbstverliebt sich im Spiegel betrachtendenden Autor aufgefallen zu sein. Alles in allem: mit einem derartigen "Werk" wird keinem ein Gefallen getan, und der Papst, sollte er Zeit zum Lesen eines derartigen auch sprachlichen Undings übrig haben, dürfte alles andere als erbaut sein. Ein Katholik sollte sich davor hüten, den Papst für biedere und niedere, nur einem selbstgefälligen Ich dienende Zwecke vor seinen verrosteten Gebrauchtwagen zu spannen.
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Maximum. Wie der Papst Deutschland verändert
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