Super für den "Erst-Kontakt" (Bewertung 5 von 5)
» Robert Hungler
Erst mal ein kleines Negativchen an dem Buch:
Man hat keinerlei biographische Daten (außer den Hinweisen im Nachwort von Volpi). Die Quellen, aus denen das Buch zusammengesetzt wurde, sind nur ganz hinten erwähnt. Ein kleiner Einführungstext über Schopenhauer und wann die Texte geschrieben wurden, wären sicher das Tüpfelchen auf dem i gewesen.
Ansonsten eine sehr gute Zusammenstellung von Schopenhauer Texten. Obwohl es sich "nur" um eine solche handelt, hat man nie den Eindruck, aus dem Lesefluss herausgerissen zu werden.
Inhaltlich versucht Schopenhauer die Quelle alles moralischen Handeln zu finden und stößt auf das Mitleid. Angefangen von der Darstellung des menschlichen Lebens als eine Anreihung von Leiden über die Darstellung von "Gut", "Böse", "Gerechtigkeit", "Rache", "Strafe", "Egoismus" und schließlich "moralisches Handeln" findet man hier alles. Auch soziologische Aspekte lassen sich hier finden. So erinnert der Leitspruch "dies bist du" und die Notwendig, der Erkenntnis des Leidens des anderen stark an Soziologen wie G.H. Mead und andere, die sich mit Rollenübernahme beschäftigen.
Absolut empfehlenswerter Einstieg in Schopenhauer, der sicher weiteres Interesse für die Arbeit von Schopenhauer und Kant macht
Zu Deutsch: Verletze niemanden; vielmehr hilf allen, soviel du kannst!; es ist Arthur Schopenhauers oberster moralischer Grundsatz, welchen er Immanuel Kants oberstem sittlichen Grundsatz, zumindest dem Wortlaut nach hinlänglich bekannt unter dem Begriff "Kategorischer Imperativ", entgegenstellt. - An dieser Stelle lediglich eine Ergänzung der Rezension meines Vorredners: Es handelt sich mit diesem wunderbaren Büchlein nicht, wie es die Rezension meines Vorredners suggeriert, um eine Monographie Schopenhauers, sondern trägt der Herausgeber Franco Volpi mit Über das Mitleid 'lediglich' einschlägige Stellen Schopenhauers Moralphilosophie aus dessen Gesamtwerk zusammen. Ausführlich stellt Schopenhauer seine Moralphilosophie, nebst einer Kritik an der Kantischen, in seiner Preisschrift Ueber die Grundlage der Moral dar
Radikaler Umsturz des Denkens in der Ethik (Bewertung 5 von 5)
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Arthur Schopenhauer (geb. 22.02.1788 in Danzig, gest. 21.09.1860 in Frankfurt am Main) gibt in seinem 'Über das Mitleid' eine umfassende Darstellung seiner Ethik ohne seine Philosophie dabei vorauszusetzen.
Haupttriebfeder jeder moralischen Handlung sei das Mitleid. Neben dieser, so Schopenhauer, exisitieren nur noch zwei weitere Triebfedern: Der Egoismus und die Bosheit. Aus diesen dreien lässt sich jede menschliche Handlung herleiten. Da eine moralische Handlung weder aus dem Egoismus, noch aus der Bosheit resultieren könne, so bliebe folgerichtig nur das Mitleid übrig, um eine moralische Handlung hervorzubringen.
Schopenhauer steht mit dieser Konzeption von Ethik deutlich quer zu seinen Zeitgenossen, was er auch versäumt, immer wieder hervorzuheben. So schielt er in seinem 'Über das Mitleid' immer wieder hinüber in das Kantische System und stellt seines der, wie er sagt, 'apriorischen Seifenblase' entgegen.
Seine Mitleidsethik, insbesondere in den Kontext gestellt, stellt einen interessanten Gegenentwurf zu denjenigen Systemen dar, die die Ethik aus Vernunftprinzipien herzuleiten trachten. Das hier von C.H. Beck vorgelegte Büchlein ist dabei insbesondere für diejenigen zu empfehlen, die gerne schmökern und dabei in Tuchfühlung mit Schopenhauers Philosophie kommen wollen. Auch für Kenner des Werkes ist das Werk eine Fundgrube von gekonntem Witz und eine Ausbreitung seiner in der Welt als Wille und Vorstellung vorgelegten Mitleidskonzeption.
Insgesamt gefällt mir dazu insbesondere das Layout, welches sich sehr positiv von anderen neueren Druckerzeugnissen abhebt und das gut lesbare Druckformat. Insgesamt ein Schmuckstück und wenn man bedenkt, wie selten man einen liebevoll herausgegeben (und vor allem neuen) Schopenhauer in die Hände bekommt, kann man eigentlich nur zugreifen
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Über das Mitleid
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