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Tod in Blau


Susanne Goga

Broschiert. Dtv 2007-02.
ISBN: 3423245778 / 3-423-24577-8
EAN: 9783423245777





Eine kriminalistische Zeitreise ins Berlin der 20-ger Jahre   (Bewertung 5 von 5)
» Edith Nebel

Berlin, 1922. Ein Verkäufer für Herrenoberbekleidung wird tot aus dem Landwehrkanal gefischt. Selbstmord? Unfall? Oder gar Mord? Kommissar Leo Wechsler ermittelt. Eine Spur im Nachlass des jungen Mannes führt zur rechtsextremen Asgard-Gesellschaft und zu einem ihrer führenden Köpfe, Oberstleutnant Ulrich von Mühl. Kriminalsekretär Walther spricht aus, was wohl jeder, einschließlich Leo Wechsler, über Herrn von Mühl denkt: ?Mann, was für ein arrogantes Schwein". Die Wege der Polizei und der dubiosen Gesellschaft kreuzen sich schon bald ein zweites Mal. Der Maler Arnold Wegner liegt tot in seinem Atelier. Und dieser Tod war kein Unfall. Mit seinen provokanten, expressiven Bildern des Kriegs und des Elends sowie den wenig schmeichelhaften Porträts angesehener Personen der Gesellschaft hat er sich nicht viele Freunde gemacht. Hauptsächlich die Mitglieder der Asgard-Gesellschaft haben gegen den Maler und seine Arbeiten gehetzt - allen voran Ulrich von Mühl. Aber tötet jemand tatsächlich einen Maler, nur weil ihm dessen Bilder nicht gefallen? Ist der Täter nicht vielleicht eher im privaten Umfeld des Künstlers zu suchen? Was ist mit seiner Frau? Die Ehe war nicht glücklich. Mit der Treue nahm Wegner es auch nicht so genau. Geht die Tat vielleicht auf das Konto eines betrogenen Ehemanns? Auch wenn Leo Wechsler gute Kontakte zur Künstlerszene hat - die Ermittlungen gehen nicht so recht weiter. Doch dann liefert die avantgardistische Tänzerin Thea Pabst, Modell und Geliebte des ermordeten Malers, einen wichtigen Hinweis: Es gibt einen Zeugen, der Licht ins Dunkel bringen könnte. Paul Görlich, ein geistig zurückgebliebener Zwölfjähriger aus einem der trostlosen Armenviertel der Stadt, hatte sich mit dem Künstler angefreundet und verfügt womöglich über entscheidende Informationen. Auch wenn dem kleinen Paul die Brisanz seines Wissens wahrscheinlich gar nicht bewusst ist - Arnold Wegners Mörder kann kein Risiko eingehen ... Die verschiedenen Handlungsstränge des Romans führen den Leser quer durch die gesellschaftlichen Schichten Berlins: in die vornehmen Villen der besseren Gesellschaft, in die Hinterhöfe und Armenviertel und in die extravagante Künstlerszene der 20-er Jahre. Eine faszinierende - und dank der authentischen Charaktere sehr lebendige - Momentaufnahme der Stadt aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Mit lebhaftem Interesse und Mitgefühl verfolgt man als Leser auch Kommissar Wechslers privates Schicksal. Zum einen spiegeln sich gerade in diesen Alltagsgeschichten besonders deutlich die Lebensbedingungen der damaligen Zeit wieder. Zum anderen sind Wechslers Lebensumstände ziemlich ungewöhnlich: Er ist verwitwet, hat zwei Kinder, und seine unverheiratete Schwester Ilse führt ihm den Haushalt. Doch es zeichnen sich Veränderungen ab: Ilse hat seit einiger Zeit einen Freund und Leo Wechsler entwickelt ein romantisches Interesse an der sympathischen Bibliothekarin Clara Bleibtreu. Warum aber erzählt sie nie etwas aus ihrem bisherigen Leben? Ausgerechnet Ulrich von Mühl, der Unsympath von der Asgard-Gesellschaft, muss Claras Geheimnis lüften. Und auch Herbert von Malchow, Leos verhasster Kollege, drängt sich auf unverantwortliche Weise in Wechslers persönliche Angelegenheiten. Es bleibt also spannend bei Leo Wechsler ... nicht nur dienstlich, sondern auch privat. Wenn die nächste kriminalistische ?Zeitreise" ins Berlin der 20-er Jahre ansteht und Leo Wechsler wieder ermittelt, bin ich auf jeden Fall mit von der Partie!


Spannung von der ersten bis zur letzten Seite   (Bewertung 4 von 5)
» Jugend-themenguide.de

Berlin im Jahre 1922. Der Maler Arnold Wegner beschäftigt sich in seinen Werken mit den starken Kontrasten seiner Zeit. Es geht um Krieg und Vergnügen, Armut und Luxus, Irrsinn und Krankheiten. Es gibt wohl niemanden in Berlin, der sich nicht mit Wegners Bildern auseinandersetzt - aus den unterschiedlichsten Motivationen heraus. Die radikalen Bilder des Malers setzen sich auf provokante Weise mit der Gesellschaft zu Zeiten des ersten Weltkriegs auseinander, und erregen sowohl Abscheu, als auch Bewunderung. Dann wird Arnold Wegner tot in seinem Atelier gefunden. Den ermittelnden Kommissar Theo Wechsler führt eine erste Spur zu der Asgard-Gesellschaft, die für ihre rechtsextreme Einstellung bekannt ist. Wechsler prüft zunächst, ob sich zwischen dem Tod des Malers und einer Leiche im Landwehrkanal eine Verbindung herstellen lässt. Bei dem ertrunkenen Mann fand sich ein Brief, der eindeutig auf eine Beziehung zu der Asgard-Gesellschaft hinweist. Die Ermittlungen laufen nur schleppend, bis Theo Wechsler einen Hinweis von Thea Pabst, einer avantgardistischen Tänzerin erhält. Nach Theas Aussage, gibt es für die Verbrechen einen Zeugen - doch der ist nicht bereit, mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Auch in dem zweiten Krimi mit Kommissar Theo Wechsler gelingt es der Autorin, eine Spannung aufzubauen, die sich von der ersten bis zur letzten Seite fortsetzt. Susanne Goga gibt ihren Charakteren eine Tiefe, die der Geschichte mehr als zuträglich sind. Darüber hinaus hat sich Goga auch in "Tod in Blau" eine Zeit ausgewählt, die ohnehin so ereignisreich und spannend war, das sie mehr als nur eine gute Geschichte hergibt. Lesenswert!


Die "Goldenen Zwanziger" waren gar nicht so golden   (Bewertung 5 von 5)
» Nichtraucher

Man nimmt das Buch zur Hand und vor dem Lesen des ersten Satzes geht einem die Frage durch den Kopf, ob Susanne Goga es wohl schafft, den Standard und das Niveau zu halten, welches sie mit ihrem ersten Buch Leo Berlin" als eigene Messlatte aufgelegt hat. Und nach Beendigung der Lektüre fällt die Antwort auf diese Frage nicht schwer. Sie hat es geschafft und sich dabei sogar noch selbst übertroffen. Wieder spielt ihr Buch im Berlin des Jahres 1922 und wieder ist es eine Geschichte um den Kriminalkommissar Leo Wechsler, jener Leo Wechsler, der schon in Leo Berlin" mit sehr viel Zuneigung beschrieben worden war. Susanne Goga zeichnet Leo Wechsler in all seiner Zerrissenheit, mit all seinen Schwächen und seinen Stärken. Zu seinen Stärken gehört die tiefe Menschlichkeit mit denen er den zuweilen hoffnungslosen Menschen begegnet, Menschen, die auch vier Jahre nach Beendigung des ersten Weltkriegs nichts weiter vorzuweisen haben als eine tiefe Perspektivlosigkeit. Von der Handlung soll an dieser Stelle nicht allzu viel verraten werden. Der Maler Arnold Wegner ist in diesem Nachkriegsberlin umstritten und wird vielerorts sogar verteufelt. Seine Art der Malerei findet gerade auch bei den reaktionären Kräften der Weimarer Republik keine Zustimmung, reaktionäre Kräfte die sich in dubiosen Bündnissen zusammengeschlossen haben, die einen dumpf-germanischen Kult pflegen und der wilhelminischen Zeit nachtrauern. Dann fällt Arnold Wegner einem Unfall zum Opfer. Aber war es wirklich nur ein Unfall? Leo Wechsler ist nicht nur mit der Aufklärung dieses Unfalls befasst, auch über seinem Privatleben ziehen sich langsam dunkle Wolken zusammen. Susanne Goga malt auch mit diesem Buch wieder ein nichtsbeschönigendes Bild der damaligen Zeit über die Anfänge der ersten deutschen Demokratie. Eine Demokratie die auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt mit dem Virus des Scheiterns infiziert war. Die Goldenen Zwanziger" waren halt nur für ein paar Menschen wirklich golden" - für die Masse der Menschen bedeutete diese Zeit nichts weiter als pure Hoffnungslosigkeit, Armut und einen harten und kaum zu gewinnenden Kampf um das tägliche Brot. Tod in Blau" ist nicht nur ein Kriminalroman, es ist darüber hinaus auch eine sehr gelungene Beschreibung einer Zeit, die man selbst nur aus Büchern oder aus Erzählungen der Großeltern kennt. Es ist auch eine zeitgeschichtliche Momentaufnahme, die sehr viel zum Verständnis für die damaligen Lebensverhältnissen beiträgt. Und es ist auch ein kleiner Streifzug durch das kunstgeschichtliche Berlin der Zwanzigerjahre, das im Gegensatz zum dümmlichen Deutschtum des reaktionären Adels stand. In Susanne Gogas Geschichte stehen die Menschen im Vordergrund, Menschen die leiden, Menschen die lieben, Menschen die enttäuscht werden und Menschen die mit ihren Handlungen großes Leid heraufbeschwören. Ein sehr lesenswertes Buch - allerdings sollte man zuvor Leo Berlin" lesen, viele alte Bekannte trifft man nämlich in Tod in Blau" wieder. Bücher übrigens, deren Kauf man sicher nicht bereuen wird


Die wilden 20er Jahre über einen intelligenten, authentischen Krimi erleben!   (Bewertung 5 von 5)
» galarina.liest@gmx.de

Mit den Kriminalromanen um Kommissar Leo Wechsler nimmt sich Susanne Goga der bisher im Kriminalroman eher unterrepräsentierten Zeit der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts an. Berlin, 1922. Der Maler Arnold Wegner hat seinen Stil gefunden. Er malt hauptsächlich Porträts, die Bettler, Verwundete, Arme, Prostituierte, etc. also die wenig anerkannten Menschen der Gesellschaft zeigen. Seine provokanten Bilder polarisieren, sie werden teils bewundert, teils mit Abscheu betrachtet und verurteilt und stoßen vor allem in politisch konservativen Kreisen auf große Ablehnung. Seine Ehe mit seiner Frau ist eher unglücklich, da sie seine künstlerischen Vorlieben nicht teilt. Als der Künstler von seiner Frau tot in seinem Atelier gefunden wird, führen Leo Wechslers Ermittlungen neben der tatverdächtigen Ehefrau auch zur rechtsextremen Asgard - Gesellschaft, auf die er schon in einem anderen Fall gestoßen ist. Erst Hinweise der Geliebten des Malers, einer avantgardistischen Tänzerin, helfen Kriminalkommissar Leo Wechsler den Fall zu lösen... Susanne Goga gelingt es in ihrem Krimi "Tod in Blau" soziale, kulturelle und politische Entwicklungen im Berlin nach dem ersten Weltkrieg lebendig zu machen, ohne belehrend oder aufdringlich zu wirken. Die Autorin zeigt uns dabei die unschönen Seiten Berlins zur damaligen Zeit, die Hinterhöfe, Armenviertel und Rotlichtbezirke genauso wie Adelskreise, vornehme Villen und Künstlerkneipen. Berliner Lokalkolorit bringt sie nicht nur durch gelegentliches "Berlinerisch" in ihren Dialogen ein, sondern vor allem über die Beschreibung der Stadt, ihrer Bewohner und liebevoll eingearbeiteter Details über Neuerungen in dieser Zeit. Die Erzählung des Kriminalfalls beginnt zunächst beschaulich, Susanne Goga baut aber sukzessive Spannung auf, die ihren Höhepunkt im letzten Drittel des Romans hat. Die eigentliche Spannung ergibt sich dabei noch nicht mal aus der Frage, wer der Täter ist, sondern daraus, ob es gelingt ihn zu fassen und einen Tatzeugen vor ihm zu schützen. Der Autorin gelingt es, selbst Nebenfiguren lebendig und glaubwürdig darzustellen. Der Protagonist, Kommissar Leo Wechsler ist ein sympathischer Ermittler mit großem Herz, der aber durchaus wütend und laut werden kann, wenn er sehr verärgert wird, so zum Beispiel gegenüber seinem neidischen Kollegen Malchow, der versucht ihn unter Druck zu setzen oder angesichts diverser Ungerechtigkeiten, die er im Laufe seiner Ermittlungsarbeit erleben muss. Er ist ein Ermittler der ganz in seiner Arbeit aufgeht, aber dennoch sein Privatleben nicht vergisst. Seine private Situation als verwitweter Vater mit zwei Kindern, der mit seiner Schwester in einem Haushalt lebt, ist nicht einfach. Sowohl er als auch seine Schwester müssen einen Weg zu einem eigenen Leben finden. Es gelingt Susanne Goga das Privatleben des Ermittlers zwar zu einem wesentlichen Element ihre Romans zu machen, und damit einen gewissen warmherzigen Hintergrund zu erzeugen, ohne dass dieses aber den Kriminalfall dominiert. Die gelungene Kombination von Privatleben des Kommissars und Kriminalfall macht erst das möglich, was Susanne Goga dem Leser bietet: Geschichte zum Miterleben, flüssig und locker erzählt. "Tod in Blau" von Susanne Goga ist ein authentischer, intelligenter und gefühlvoller Kriminalroman für alle, die lebendige Geschichte verbunden mit einer spannenden Krimihandlung mögen, bei der die Hintergründe der Tat und die Arbeit des Ermittlers im Vordergrund stehen. Ich freue mich, das Warten auf einen neuen Fall mit Leo Wechsler durch die Lektüre des ersten Falles "Leo Berlin" überbrücken zu können


Spannend und wunderbar authentisch!   (Bewertung 5 von 5)
» crazymilla

Im Berlin des Jahres 1922 hat die Inflation die Republik fest im Griff und die Bevlkerung versucht ihen Hunger nach Brot und besseren Zeiten zu stillen. Armut breitet sich aus, in den unterprivilegierten Bezirken sind immer mehr hohlwangige und hoffnungslose Menschen zu sehen, während die Oberschicht den Verfall ihres Reichtums mit extravaganten Abendveranstaltungen zu kompensieren versucht. Die allgemeine Unzufriedenheit ist der ideale Nährboden für deutschnationale Gesinnungen, deren Befürworter sich in eigenen Gesellschaften und Vereinen zu organisieren beginnen. Im Polizeikommissariat geht alles seinen gewohnten Gang, Kommissar Leo Wechsler hat den Tod eines Mannes aufzuklären, den man aus dem Landwehrkanal gezogen hat und den mysteriösen Tod eines umstrittenen Malers, dessen provokante Bilder vor allem in politisch konservativen Kreisen auf heftige Ablhenung stoßen. Doch reicht dies als Motiv für einen Mord oder ist der Täter ganz woanders zu suchen? Kommissar Wechsler beginnt zu ermitteln und muss zwischen Glamour und Luxus auf der einen Seite und Hunger und bitterer Armut auf der anderen Seite die richtigen Spuren finden und zu deuten wissen. Auf ein Wiedersehen mit Leo Wechsler habe ich mich sehr gefreut und ich wurde nicht enttäuscht! Authentisch ist die Atmosphäre des Berlins der frühen 20er Jahre, in die Susanne Goga ihre Leser erneut entführt, die hin- und hergerissen zwischen der Faszination des Gesellschaftslebens und dem Gefühl der politischen Bedrohung, die sich am Horizont abzeichnet sind. Gänsehaut überkommt den Leser, wenn sich verdiente Offiziere um die Aufrechterhaltung und Stärkung der germanischen Rasse bemühen und sich herablassend über diese kleine neue Partei mit Namen NSDAP auslassen. Andererseits gibt es viele liebevoll eingebundene Details, die den Leser zum Schmunzeln bringen, wie z.B. der Stolz der Büchereibesitzerin über das gerade eben erschienene Buch "Ulysses" - geschrieben von einem Iren, einem gewissen James Joyce - das sie für einen Wahnsinnspreis bei Shakespeare & Company in Paris bestellt hat. Susanne Goga zeigt in diesem 2. Krimi um Kommissar Wechsler ein gutes Gespür für ihre Szenen und erzeugt durch den kontinuierlichen Wechsel der Schauplätze und agierenden Personen eine Spannung, die bis zum Schluss erhalten bleibt. Dabei bleibt weder die Tiefe ihrer Charaktere noch die private Entwicklung des Kommissars auf der Strecke, was mir besonders gut gefallen hat. Das Wiedersehen mit alten Bekannten und die Begegnung mit neuen Figuren mit Potential trägt eindeutig zum Lesevergnügen bei und lässt die Vorfreude auf einen nächsten Fall jetzt schon wachsen. Kurz: Eine rundum gelungene Fortsetzung, die mich endgültig zum Leo Wechsler-Fan gemacht hat!


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