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Saturday.


Ian McEwan Ian MacEwan Bernhard Robben

Broschiert. Diogenes 2007-04.
ISBN: 3257236271 / 3-257-23627-1
EAN: 9783257236279


Präsentation des Verlages

In der Tradition von Mrs. Dalloway und Ulysses spielt sich die Handlung von Ian McEwans Roman Saturday an einem einzigen Tag ab. Der erfolgreiche Neurochirurg Henry Perowne erwacht am Samstag, den 15. Februar 2003, ungewöhnlich früh. Sein Leben ist nahezu perfekt. Er ist Ende vierzig, schon lange verheiratet und noch immer in seine Frau verliebt, hat einen angesehenen Beruf und zwei wohlgeratene talentierte Kinder. An diesem Samstagmorgen liegt etwas in der Luft, das über die angekündigte Demonstration gegen die Teilnahme der Briten am Irakkrieg hinausgeht. Trotzdem freut Perowne sich auf seinen freien Tag, auf sein wöchentliches Squash-Spiel und auf den Besuch seiner Kinder.

Wie so oft bei Ian McEwan bringt ein kleiner Vorfall, in diesem Falle ein harmloser Autounfall, Prozesse ins Rollen, deren Nachwirkungen die Beteiligten bis ins Mark erschüttern -- und manchmal sogar für immer zeichnen. Das Leben Henry Perownes, das sich in der gehobenen Mittelklasse abspielt, wird von einem Eindringling gestört, der nicht nur akut das Wohl der Familie bedroht, sondern auch die Fragilität der zwischenmenschlichen Beziehungen der Familienmitglieder offen legt. All dies passiert vor dem Hintergrund des drohenden Konfliktes der westlichen mit der islamischen Welt, deren Beziehungen ebenfalls auf Messers Schneide stehen. Sowohl Perownes Familie als auch die Welt werden in diesem Moment vom Terror bedroht.

Durch die Anschläge in London vom 7. September 2005 hat Saturday einen beängstigend prophetischen Aspekt bekommen. Der Roman dreht sich um die Frage, wie man in dem Bewusstsein leben kann, dass der Terror unweigerlich im eigenen Leben ankommt. Dennoch sollte Saturday nicht nur als Vorausdeutung des Terrors oder als politischer Roman verstanden werden. Denn Saturday ist auch ein Zeitgemälde und eine fesselnd erzählte Familiengeschichte, die dem Leser in McEwans unnachahmlichen Stil, der auch in der Übersetzung von Bernhard Robben gut zur Geltung kommt, ein fast schon rauschhaftes Erlebnis beschert. Weniger zynisch als in seinen frühen Werken, scheint es fast, als sei „Ian McNasty“, wie er hin und wieder vom britischen Feuilleton genannt wurde, wenn schon nicht weich oder gar harmlos, so doch zumindest ein wenig menschlicher geworden. Es steht ihm gut. --Nathalie Schwering




Eines McEwan unwürdig   (Bewertung 2 von 5)
» Aneurysma

Als bisher begeisterter Leser von McEwan hat mich dieser Roman mehr als enttäuscht zurückgelassen. Eine künstlich-konstruierte Handlung eines unglaubhaften Gutmenschen verpackt in eine Fülle von Fragwürdigkeiten. Einzig der Grundidee, nämlich den weltweiten Terror in all seinen Facetten in das eigene Heim hinzuprojezieren, kann ich 2 Sterne abgewinnen. Ansonsten eine durchwegs verpatzte Sache.


Selten so etwas Überflüssiges und Langweiliges gelesen   (Bewertung 1 von 5)
» Lothar Müller-Güldemeister

Ich kann mich den hier zu lesenden kritischen Ein-Sterne-Bewertungen nur anschließen - eine weitere Darstellung der thematischen, inhaltlichen, kontruktiven und formalen Schwäche dieses Werkes würde auf Wiederholungen hinauslaufen.

Das Buch kam mir vor, als hätte der Autor im Rahmen seines Verlagsvertrages sich verpflichtet, bis zu einem Tag X das Manuskript eines neuen Romans fertigzustellen. Nur ist McEwan kein Dostojewski, der selbst unter einem solchen Druck noch Qualität abliefern konnte. Das ganze ist eitle, selbstgefällige, geschmäcklerische Dutzendware (ähnlich wie Mosebachs "Der Mond und das Mädchen"). Mit ihr hat es der Autor geschafft, mir das Interesse an seinen früheren, angeblich besseren Werken zu verleiden.


Fein geschrieben aber stumpf   (Bewertung 2 von 5)
» Minky

Mir stellt sich der Roman als ein Konstrukt dar. Er setzt intellektuelle Zeichen, an denen sich ein Leser denkend entlanghangeln kann, aber er bewegt (sich) nicht. Die Figuren bleiben durchweg stereotyp - die größte Schwäche des Buches - die Fragen allgemein, trotzt detailierter Momente. Mein Eindruck ist der, dass der Autor sich vielfach verlaufen hat in seinem möglichen Plan, die bürgerliche Hemisphäre anzukratzen.


EIN GANZ UNGEWÖHNLICHER UND BESONDERER TAG   (Bewertung 5 von 5)
» olschewski-bi

IAN McEWAN zeigt anhand eines Tages im Leben eines Londoner Chirurgen ca. 1 1/2 Jahre nach dem Anschlag vom 11.09.2001 den "Gemütszustand" der westlichen Gesellschaft nach diesem verheerenden Terrorakt eindrucksvoll auf.

DIE STORY:

HENRY PEROWNE ist Neurochirurg und 48 Jahre alt. Er ist Oberarzt, mit einer Juristin glücklich verheiratet und hat zwei begabte Kinder. Seine Welt ist in Ordnung. Es ist Samstag ("SATURDAY") der 15. 02.2003. HENRY freut sich auf sein übliches Squashspiel mit seinem Kollegen. Zum Abendessen werden die Kinder und sein Schwiegervater erwartet. Er muß sich um das Essen kümmern. Seine Frau hat vorher noch einen geschäftlichen Termin. Einmal abgesehen davon, dass an diesem Tag in London die bis dahin größte Friedensdemo aller Zeiten stattfindet, handelt es sich also eigentlich um einen ganz normalen Samstag. Doch der Tag beginnt bereits völlig anders, als erwartet. HENRY erwacht bereits sehr früh aus dem Schlaf. Seine Unruhe läßt ihn an das Schlafzimmerfenster treten und er wird Zeuge eines beunruhigenden Ereignisses. Dies läßt ihm zunächst keine Ruhe. Als er dann auf dem Weg zum Squashspiel eine unangenehme, beängstigende Begegnung hat, ist er endgültig jeglichen inneren Friedens beraubt, und es soll erst noch richtig losgehen ...

FAZIT:

McEWAN versteht es meisterlich durch die Betrachtungsweise und Gefühlsweise seines Protagonisten ein gesellschaftliches Bild zu projezieren, dass deutlich macht: nichts ist mehr so wie vorher, seitdem die allegegenwärtige terroristsiche Bedrohung in das gesellschaftliche Bewußtsein gedrungen ist. Reduziert auf einen kleinen Personenkreis mit einem klar definierten eingeschränkten Umfeld, konstruiert McEWAN gleichwohl ein Spiegelbild dessen, wie es in weiten Teilen der westlichen Bevölkerung nach dem Terroranschlag vom 11.09.2001 aussehen mag. Dramaturgisch geschickt beschränkt sich die Handlung, die zudem zunächst (trügerisch!) recht banal wirkt, auf lediglich einen Tag. Mich erinnerte die Geschichte sofort an BJARNE REUTERs starken Roman AM ENDE DES TAGES. Auch dort spielt die Handlung lediglich an einem Tag und beginnt morgens. Auch dort wird die Hauptfigur völlig unvermittelt durch ein plötzliches beängstigendes Ereignis mit Unvorhergesehenem konfrontiert. Der Unterschied besteht darin, dass McEWANs HENRY PEROWNEs Angst sich auf Gegenwart und Zukunft bezieht, wohingegen der Protagonist bei REUTER von dessen Vergangenheit eingeholt wird. Das dramaturgische Strickmuster ist indes gleich. SATURDAY ist eine sehr spannende anspruchsvolle und lesenswerte Lektüre von literarischen Wert.

Viel Spaß dabei!



Unter Blairs Skalpell   (Bewertung 5 von 5)
» Polar

9/11 hat nicht nur die amerikanische Gesellschaft durchgerüttelt. Im Gegensatz zu uns Deutschen, die aus dem Vergeltungskrieg herausgehalten wurde, fand sich Großbritannien plötzlich in einen Kriegszustand versetzt, der die Bürger spaltete und auf die Straße rief, um dagegen zu protestieren. In dieser gesellschaftlichen Zerreißprobe spielt Ian McEwans Roman Saturday, wo ein Chirurg, der sich durch Squash fit hält und sich durchaus so seine Gedanken über den Zustand der Welt macht, durch eine Demonstration behindert in eine Seitengasse gerät, um dort beinah sein Leben zu verlieren. Chirurgen zumal Neurochirurgen gelten im Allgemeinen als abgehärtet. Angesichts der Tragödien, denen sie begegnen, bauen sie einen Schutzwall um sich herum auf, der sie am Leben hält.

Dieser Schutz bekommt im Verlauf des Tages, den McEwan beschreibt, nicht nur Risse, es beweist sich auch, daß der Schutz angesichts der Zustände außerhalb eines Operationssaals vollkommen ungeeignet ist. Wie begegnet man dem Leben, wenn die eigene Tochter auf Grund der Vorkommnisse am Nachmittag vor den Augen der Familie gedemütigt wird, man seiner Hilflosigkeit angesichts hemmungsloser Wut nicht entrinnen kann?

McEwan findet in diesem meisterhaften Roman nicht nur ein Abbild für die Verstörung einer Gesellschaft, ihre Verrohung, sondern auch einen überraschenden Schluß, mit dem man nicht rechnet, der in sich trotzdem schlüssig nachhallt.





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