Gebundene Ausgabe. Kein & Aber 2007-08.
ISBN: 3036955054 / 3-03-695505-4
EAN: 9783036955056
Interessanter Blick hinter die Kulissen des TV-Business (Bewertung 4 von 5)
» Rolf Dobelli
Roger Schawinski zeigt in seinem Buch, mit welchem Kalkül Senderchefs ihr Programm planen. Vieles ist bekannt und naheliegend: womit ein Programm bei Zuschauern und Werbetreibenden punktet, dass private Fernsehsender gegenüber öffentlich-rechtlichen benachteiligt sind, dass Qualität die deutschen Fernsehzuschauer verschreckt. Neben viel Altbekanntem wartet Schawinski mit allerhand wissenswerten und unterhaltsamen Details auf. Der vertrauliche Plauderton des Ex-Senderchefs verhilft zudem jedem Feierabend-Couch-Potato unverhofft zu einem Platz in der ersten Reihe des Medienzirkus: Plötzlich ertappt man sich bei dem Gefühl, noch gestern mit der Anke (Engelke) und dem Otti (Fischer) sowie dessen resolut auftretender Frau Renate, genannt die Tretmine, in der angesagten Bar um die Ecke gehockt zu haben. Wir meinen: Schawinskis Buch ist für jeden TV-Junkie absolut lesenswert, weil es die Mechanismen dieses knallharten Geschäfts hinter der locker-leichten Fassade aus hochrangiger Innenperspektive beschreibt. Pflichtlektüre ist es für Marketingspezialisten aus dem Konsumgüterbereich - und natürlich für alle Medienschaffenden, die mit dem Otti und dem Schawi (noch) nicht per du sind.
Fernsehmacher (Bewertung 4 von 5)
» zueribueb
Roger Schawinski ist in der Schweiz bekannt wie ein bunter Hund. Berühmt wurde er vor rund 30 Jahren, als er mit dem Piratensender "Radio 24" von Italien nach Zürich einstrahlte, was zu einem Erdbeben in der Medienlandschaft führte. Schawinski hatte immer seinen eigenen Stil, ist mit allen per Du und führt sehr aggressive Interviews. In einer legendären Talkshow machte er zunächst den Talkgast runter, bevor er deren Buch in weitem Bogen fortwarf. Er ist eine Mischung aus Rebel, Messias, Enfant terrible und genialem Macher. Darum ist es erstaunlich, dass er den Job bei Sat 1 überhaupt bekommen hat. Ausserdem ist Schawinski ein egomanischer Schwätzer, in der Schweiz bezeichnet man dies als "Schnuurri". Der schwatzhafte Stil, der bei früheren Bücher durchdrang, fehlt bei "Die TV-Falle" zum Glück völlig. Das Buch ist sehr gut und auf den Punkt geschrieben.
Als Einstieg verbreitet Schawinski genüsslich ein paar Anekdoten über Otti Fischer, Alexandra Neldel und Anke Engelke. Danach beschreibt er sehr anschaulich, wie das heutige Fernsehen in seinen verschiedenen Facetten funktioniert. So wird dem lesenden Fensehzuschauer bewusst, dass im Fernsehen nichts dem Zufall überlassen wird und dass er als Zuschauer gezielt manipuliert werden soll, ohne es überhaupt zu merken. Fernsehen, ein Big Business auf dem Drahtseil, denn der Erfolg eines Programms lässt sich trotz aller Tricks nur bedingt planen. Schliesslich rechnet er auch mit der politischem Einflussnahme aufs Fernsehprogramm ab. Das Privatfernsehen ist doch nicht so privat, wie es der Name sagt. Darum gibt es bei den Privaten auch ein paar seltsame Sendungen (Kultur nach Alexander Kluge).
Sehr informativ über das heutige TV-Geschehen (Bewertung 4 von 5)
» Andre Strecker Bettina Braun
Das Buch hat mich als Sachbuch positiv überrascht: es hat mich geradezu gefesselt, wie einen ein Roman fesseln kann. Das Buch ist sehr kurzweilig geschrieben. Zuweilen fehlen Einzelheiten wie genaue Einschaltquoten zu Sendungen bzw. Verlauf von Einschaltquoten, aber manche Dinge unterliegen wohl der Geheimhaltungspflicht. Insgesamt erklärt das Buch, warum die privaten Sender das Programm senden, was sie senden. Es wird auch erklärt, welche Rolle die öffentlich-rechtlichen Sender spielen. Ich wusste zwar schon vieles, aber es hat mich doch empört zu erfahren, wieviel Steuergelder (bzw. Gebühren, aber es hat ja Zwangscharakter) ARD und ZDF für Sportrechte ausgeben. Das ist eine Sauerei und sollte man den Privaten überlassen!!!
Der Konkurrenzkampf ist einfach gnadenlos im TV-Sektor, die kann man nicht beneiden.
Subjektiver Einblick in die Medienwelt. (Bewertung 5 von 5)
» BCA
Zuerst mal zu den Kritikpunkten. Zum einen ist das Buch alles andere als Objektiv geschrieben, Herr Schawinski scheut sich zwar nicht vor Selbstkritik, aber in der direkten Konfrontation mit Stars, anderen Sendern und vor allem Produzenten sind meist diese die Schuldigen bzw. spielen einen Sachverhalt zusehr hoch. Ein weiterer Kritikpunkt ist die manchmal etwas undeutlich Aussage des Herrn Schawinski. Als er Anke Engelke bspw. erwähnt redet er zuerst davon, dass er "Anke aus der Distanz als einen der begabtesten deutschen Comedystar seit vielen Jahren bewundert hatte", dann schreibt er aber wiederum über das Ende von Anke Late Night: "Ich hatte begriffen: Ich war der Schuldige für das gigantische Desaster, das alle erfasst hatte. Ich war schuld, dass die ganze Sendung gescheitert war! [...] Nicht Anke als Protagonistin, nicht ihre Autoren, die gleichzeitig ihre engen Freunde sind. [...] Sondern ich, der Chef von Sat.1." Hat sich seine Meinung über Anke Engelke also so verändert oder waren seiner Meinung die Produzenten am Ende schuld oder soll diese uneindeutige Einstellung gegenüber Anke Engelke zeigen, wie zwiespältig seine Meinung gegenüber ihr (nun) ist.
Ansonsten erhält man aber was wirklich einmaliges Buch, was man sich gerne auch von anderen (größeren) Mediengrößen (Leo Kirch oder Helmut Thoma) gewünscht hätte. Der Einblick in die täglichen Geschäfte, Probleme und Entscheidungen werden von Schawinski spannend erzählt. Seine Entscheidungen von "damals" analysiert er durchaus selbstkritisch, aber dies eben nicht unbedingt im direkten Vergleich mit Konkurrenten. Auch kritisiert er das Medium Fernsehen grundlegend, manchmal zu Recht, manchmal aber auch zu unrecht.
Mich würde nach diesem Buch, die Sichtweise eines Stars oder Produzenten auf den Senderchef Schawinski bzw. Sat.1 zu dieser Zeit interessieren.
Ein wirklich lesenswertes Buch.
Spannende Hintergrundberichte (Bewertung 5 von 5)
» Samson69
Roger Schawinski ist nicht nur ein exzellenter TV-Manager, der sein Business von der Pike auf gelernt hat. Er versteht es auch, komplizierte Sachverhalte und Hintergrundinformationen verständlich rüberzubringen. Ich habe eine Menge gelernt über das deutsche und internationale TV-Geschäft.
Dass Hans Meiser das Hörbuch spricht, finde ich toll. Meiser hat mit seiner süffisanten Art genau den Ton drauf, um diese glitzernde Medienwelt zu entzaubern und den Blick hinter die Kulissen zu einem voyeuristischen Erlebnis werden zu lassen. Die Geschichten über Stars und Sternchen, Produzenten und Politiker sind spannend und unterhaltsam zugleich.
Informativ ist auch das Bonus-Interview, das Hans Meiser mit Roger Schawinski geführt hat. Hier erfährt man u.a., wie im Vorfeld versucht wurde, das Erscheinen des Buches zu verhindern. Wen wundert's: Insbesondere die Medienleute, die andere gern ins Rampenlicht zerren, wollen selbst lieber im Schatten bleiben. Schawinski zerrt sie gnadenlos ins Licht der Öffentlichkeit.
Ich habe das Hörbuch auf einer Autofahrt nach München in einem Rutsch gehört und kann es uneingeschränkt weiterempfehlen!
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